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Neue MWST-Praxispublikation zu Privatanteilen (Verpflegung / Unterkunft)

        

Die ESTV hat im August 2021 ihre Praxis hinsichtlich der MWST-Deklaration der Privatanteile (Verpflegung / Unterkunft) präzisiert.¹ Neu ist klar geregelt, dass für die MWST-Deklaration der Privatanteile für Verpflegung / Unterkunft auf die im Lohnausweis zu deklarierenden Werte abzustellen ist, auch bei einer unterpreisigen Abgabe.

veröffentlicht: September 2021

Ihre Ansprechpersonen:

Marc Oliver Müller
Master of Law

Marco Frappa
MAS FH in MWST, LL.M. VAT£
dipl. Steuerexperte

Verpflegung und Unterkunft an Mitarbeitende

Um was geht es?

Die vergünstigte oder sogar gratis Abgabe von Verpflegung bzw. Unterkunft an Mitarbeitende stellen Gehaltsnebenleistungen, sogenannte «fringe benefits» dar. Diese sind vom Arbeitgeber grundsätzlich zum  Marktwert bzw. Verkehrswert zu bewerten, sozialversicherungstechnisch abzurechnen und im Lohnausweis entsprechend zu deklarieren (Felder 2.1 bis 2.3). Diesbezüglich sind jedoch die jeweiligen Mindestansätze der direkten Bundessteuer zu beachten (gemäss dem Merkblatt N2/2007 resp. NL1/2007 für Arbeitnehmer der Land- und Forstwirtschaft).

Trägt der Arbeitnehmer einen Teil der Kosten, so ist lediglich der vom Arbeitgeber übernommene Differenzbetrag entsprechend abzurechnen und im Lohnausweis auszuweisen. Diese Werte sind sodann auch die Basis für die MWSTPrivatanteilbemessung.

Mit der oben genannten Publikation hat die ESTV ihre Praxis zur MWST-Behandlung der Verpflegungs- und Unterkunftsleistungen an Mitarbeitende präzisiert. Die vorangehende Formulierung verwies auf den  deklarierten Betrag, ungeachtet dessen, ob dieser korrekt war. So muss nach der neuen Formulierung die Bemessung der Steuer auf demjenigen Wert berechnet werden, welcher im Lohnausweis betragsmässig deklariert werden muss (Wert im Lohnausweis gilt als inkl. MWST).

Im Rahmen von MWST-Kontrollen wurde in Vergangenheit teilweise festgestellt, dass fälschicherweise keine korrekten Privatanteile im Lohnausweis deklariert wurden. Die Vorschriften zum Ausfüllen des  Lohnausweises, insbesondere die Randziffern 19 ff. der Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises, gelten für alle gleich. Aus MWST-Sicht wurde bereits in der Vergangenheit eine Aufrechnung vorgenommen. Zudem lag in diesen Fällen eine falsche Urkunde vor. Ebenfalls wurden die Sozialversicherungen unvollständig abgerechnet.

¹ MWST-Info 08 Privatanteile

An den Vorschriften zum Ausfüllen des Lohnausweises hat sich nichts geändert. Folglich ergibt sich unseres Erachtens materiell auch bei der MWST grundsätzlich keine Änderung. Entgegen der Formulierung der ESTV liegt nach unserem Verständnis deshalb lediglich eine «Präzisierung» der bisherigen Praxis vor. Wir sind gespannt, ob die ESTV diesbezüglich noch informieren bzw. präzisieren wird. Es zeigt sich, dass der gesamte Sachverhalt enorm Komplex ist und bei Fehlbewertung von Naturalleistungen direkte wie auch indirekt Steuern und Sozialversicherungen mangelhaft abgerechnet und Urkunden falsch ausgestellt werden.
Diese Praxis der ESTV wird unseres Erachtens generell für die im Lohnausweis zu deklarierenden Privatanteile gelten. Wir gehen deshalb davon aus, dass die MWST-Handhabung auch an anderer Stelle in der sich aktuell in Überarbeitung befindenden MWST-Info 08 wohl niedergeschrieben und «präzisiert» wird.

Nachfolgende Aufstellung (siehe PDF unten) zeigt die MWST-Auswirkungen von Mitarbeiterverpflegung zu verschiedenen Konditionen.

Praxishinweise

Bei Verpflegungsleistungen ist stets zu prüfen, ob diese allenfalls zum reduzierten Satz von 2.5 % zu versteuern sind (z. B. bei der Gratisabgabe via Verpflegungsautomaten). Entgeltliche Leistung des Arbeitgebers für die Unterkunft (z. B. Zurverfügungstellung von Personalwohnungen) stellen eine von der Steuer ausgenommene Vermietung zu Wohnzwecken dar, ohne Möglichkeit der freiwilligen Versteuerung (Option). Diese Umsätze sind in den Ziffern 200 ff. des Abrechnungsformulars zu deklarieren. Bei der Abrechnung nach der effektiven Methode sind allfällig vorzunehmende Vorsteuerkorrekturen aufgrund von der Steuer ausgenommener Privatanteile (z.B. Mietwohnungen in einem gemischt genutzten Gebäude) zu prüfen und gegebenenfalls zu deklarieren. Bei Einzelfirmen stellen die Privatanteile hingegen einen  Eigenverbrauchstatbestand dar, mit Deklaration in Ziffer 415 des Abrechnungsformulars.

Einmal mehr zeigt sich, dass der korrekten Erstellung des Lohnausweises – auch für MWST Zwecke – entscheidende Bedeutung zukommt.

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