Prüfung

COVID-19

Auswirkungen von COVID-19 auf den Jahresabschluss

        

COVID-19 stellt auf der ganzen Welt so einiges auf den Kopf. Davon wird auch die Rechnungslegung nicht verschont. Während die Auswirkungen der Pandemie bzw. der staatlichen Massnahmen zu deren Eindämmung im Abschluss 2019 noch als Ereignis nach dem Bilanzstichtag behandelt und offengelegt werden mussten, sind die Auswirkungen in Abschlüssen per 31. Dezember 2020 nun in Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang zu finden. Balmer-Etienne zeigt ihnen auf, was im Jahresabschluss zu beachten ist.

veröffentlicht: Januar 2021

Ihre Ansprechpersonen:

Urs Matter
dipl. Wirtschaftsprüfer

Roland Furger
lic. oec., dipl. Wirtschaftsprüfer

Bewertung von Positionen des Anlagevermögens

Ein besonderes Augenmerk ist im Abschluss per 31. Dezember 2020 auf die Bewertung von Vermögenswerten zu richten. Die für den Nachweis der Werthaltigkeit von Positionen des Anlagevermögens bzw. für die Beurteilung allfälliger Wertbeeinträchtigungen bisher zugrundeliegenden Budgets und Planrechnungen müssen in der aktuellen Lage überprüft und bei Bedarf an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich mit aktualisierten Prognosewerten ein Wertminderungsbedarf auf einzelnen Positionen der Bilanz ergibt. Dies kann typischerweise Beteiligungen in besonders von der Pandemie betroffenen Branchen betreffen, aber auch abgebrochene oder sistierte Bauprojekte, nicht mehr ausgelastete oder stillgelegte Maschinen sowie immaterielle Anlagen wie Patente oder Goodwill.

Behandlung von Kurzarbeitsentschädigungen im Jahresabschluss

Die Begünstigten von Kurzarbeitsentschädigungen sind die Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber hat diese staatliche Unterstützung an die Arbeitnehmer weiterzuleiten.
Unternehmen die im 2020 Kurzarbeitsentschädigungen erhalten haben, sollten diese aus diesem Grund als Minderung des Personalaufwands (Nettoausweis) erfassen. Für die Sicherstellung einer adäquaten Transparenz für den Bilanzleser drängt sich allenfalls eine zusätzliche Offenlegung bzw. Aufschlüsselung der erfassten Kurzarbeitsentschädigung im Anhang zur Jahresrechnung auf. Für mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen ist zudem auf die korrekte Abbildung der erhaltenen Kurzarbeitsentschädigung zu achten. Die Deklaration dieses sogenannten Nicht-Entgelts erfolgt in der MWST-Abrechnung unter Ziffer 910 und führt nicht zu Vorsteuerkürzungen (gleiches gilt für Erwerbsersatzentschädigungen). Forderungen gegenüber Sozialversicherungssystemen im Zusammenhang mit Kurzarbeits- oder Erwerbsersatzentschädigungen sind per Bilanzstichtag anzusetzen, sofern sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.

Bilanzierung von COVID-19 Krediten

Bei der Bilanzierung der COVID-19 Kredite ist zu unterscheiden, zwischen dem COVID-19-Kredit und dem sogenannten COVID-19-Kredit Plus (hier geht’s zu den Details in der vollständigen Publikation).

Gemäss Schlussbestimmungen der COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung sind für die Berechnung der Deckung von Kapital und Reserven nach Art. 725 Abs. 1 OR und für die Berechnung einer Überschuldung nach Art. 725 Abs. 2 OR die einfachen Covid-19-Kredite bis zum 31. März 2022 nicht als Fremdkapital zu berücksichtigen. Dies gilt jedoch nicht für COVID-19-Kredite Plus.

In der bis zur Inkraftsetzung des Solidarbürgschaftsgesetzes gültigen Covid-19 Solidarbürgschaftsverordnung waren neue Investitionen ins Anlagevermögen, die nicht Ersatzinvestitionen darstellten, nach Inanspruchnahme von COVID-19-Krediten nicht zulässig. Im neuen Solidarbürgschaftsgesetz, welches per 18.12.2020 in Kraft trat, sind auch Neuinvestitionen möglich.

Ob und wie Wirtschaftsprüfer auf allfällige Verstösse gegen die Verordnung bzw. das Gesetz im Rahmen einer eingeschränkten oder ordentlichen Revision hinweisen müssen wird sich in der Praxis zeigen, in wesentlichen Fällen wird der Prüfer aber einen Vermerk in seinem Bericht anbringen. Dies ist bspw. dann nötig, wenn der COVID-19-Kredit zum Abschlussstichtag noch nicht zurückbezahlt wurde und offensichtlich Kreditbedingungen bspw. eben durch Tätigung wesentlicher Neuinvestitionen verletzt wurden.

Erfassung von Aufwendungen im ausserordentlichem Ergebnis

Aufwendungen im Zusammenhang mit COVID-19 können möglicherweise im ausserordentlichen Ergebnis ausgewiesen werden, wenn es sich um zusätzlichen Aufwand handelt, der im normalen Geschäftsverlauf ohne Corona-Krise nicht angefallen wäre.

Dieses Kriterium erfüllen beispielswiese folgende Aufwendungen:

• Kosten von Stilllegungen sowie Wiederanlauf nach dem Lockdown, falls diese staatlich verordnet waren
• Anschaffung von Schutzmaterial wie Plexiglasscheiben oder Gesichtsmasken
• Zusatzwertberichtigungen als Folge von staatlichen Schliessungen z. B. Modehaus für die Frühlingskollektion

In folgenden Fällen ist dieses Kriterium eher nicht erfüllt:

• Laufende Abschreibung auf Sachanlagen während der Zeit der Betriebsschliessung
• Abschreibung Warenlager als Folge von Überbeständen
• Wertberichtigungen auf Beteiligungen oder immateriellen Anlagevermögen als Folge von angepassten Business Plänen

Zu beachten ist, dass ein Ausweis im ausserordentlichen Ergebnis gemäss Art. 959c OR eine zusätzliche Offenlegung im Anhang zur Jahresrechnung erfordert.

Verwendung von Arbeitgeberbeitragsreserven zur Begleichung von Arbeitnehmerbeiträgen

Der Bundesrat hat beschlossen, dass die Arbeitgeber für die Bezahlung der Arbeitnehmerbeiträge an die berufliche Vorsorge vorübergehend die von ihnen geäufneten Arbeitgeberbeitragsreserven (AGBR) verwenden dürfen. Diese Massnahme soll es den Arbeitgebern erleichtern, Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die Auflösung der AGBR für Arbeitgeberbeiträge wie auch für Arbeitnehmerbeiträge führt zu einer Aufwandminderung für die Unternehmung und ist entsprechend auch steuerwirksam.

Die Auflösung der AGBR führt zudem zu einer im Anhang offenlegungspflichtigen Auflösung von handelsrechtlichen stillen Reserven.

Zusätzliche Offenlegungen im Anhang zur Jahresrechnung

Weitere Offenlegungen zu Auswirkungen von COVID-19 auf den Abschluss 2020 im Anhang sind individuell zu prüfen. Im Speziellen bei Zweifel an der Fortführungsfähigkeit der Gesellschaft aufgrund von Auswirkungen der Pandemie sind als Unsicherheit im Anhang adäquat offenzulegen. In solchen Fällen darf die Jahresrechnung möglicherweise nicht mehr auf Basis von Fortführungswerten erstellt werden und die Vorgaben von Art. 725 OR sind zu beachten.

Gewinnverwendungsvorschlag

Beim Gewinnverwendungsvorschlag ist zu beachten, dass für Unternehmen, die COVID-19 Kredite bezogen haben, bis zu deren vollständigen Rückzahlung Einschränkungen bezüglich Dividenden, Aktionärsdarlehen oder Bonuszahlungen bestehen.

Wie Sie den obenstehenden und keinesfalls abschliessenden Themen entnehmen können, hat COVID-19 möglicherweise auch wirtschaftliche Auswirkungen auf viele Aspekte der Rechnungslegung und der Finanzberichterstattung. Bitte zögern Sie nicht, bei konkreten Fragen zu diesen und weiteren Themen im Zusammenhang mit der Erstellung der Jahresrechnung 2020 auf unsere Experten zuzugehen.

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