Was muss bei einer Workation beachtet werden?
Auf Mallorca in der Finca zu arbeiten klingt verlockend? In diesem Artikel zeigen wir auf was das Konzept der Workation alles mit sich bringt. Denn hinter dem Traum vieler liegen komplexe rechtliche, steuerliche und weitere organisatorische Fragen, die es zu klären gilt.
In unserer 14. Folge vom finanzklang-Podcast sprechen wir mit Stefanie Gugger, unserer Steuerexpertin und Leiterin vom Global Mobility Bereich, über das Thema Workation. Die Verbindung von Arbeit (work) und Ferien (vacation) ist in den letzten Jahren verstärkt aufgekommen. Doch wer denkt, es sei kein grosser Aufwand, den Laptop in den Ferien aufzuschlagen, irrt sich. Erfahren Sie in der Podcastfolge und im nachfolgenden Artikel, welche Tücken und Risiken eine Workation für Arbeitnehmende und -geber mit sich bringt.
Was genau ist Workation?
Unter einer Workation versteht man ein Aufenthalt im Ausland, während dem ein Teil der Zeit gearbeitet wird. Wer jedoch während den Sommerferien an einem Tag arbeitet, macht in der Regel noch keine Workation, erklärt Stefanie Gugger. Meistens handelt es sich um einen längeren Aufenthalt.
Wie unterscheidet sich Workation von Remote Work oder Homeoffice?
Bei den Begriffen Remote Work, Workation und Homeoffice gibt es oft Verwechslungen. Wir zeigen die Unterschiede auf:
- Remote Work bezeichnet das Arbeiten ausserhalb des Firmenbüros
- Beim Homeoffice wird von zuhause aus gearbeitet
- Eine Workation hingegen findet an einem dritten Ort, oft im Ausland, statt und wird mit Urlaub verbunden
Typisches Beispiel von einer Workation
In der Praxis wird das Workation-Modell oftmals von Mitarbeitenden genutzt, welche Familienangehörige im Aushland haben oder eine Ferienunterkunft besitzen. Viele verlängern die Ferien am Mittelmeer oder nutzen das Haus der Eltern in Italien.
Welche rechtlichen, steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Aspekte müssen bei einer Workation beachtet werden?
Das Modell der Workation hört sich im ersten Moment sehr verlockend an. Jedoch birgen sich dahinter verschiedene Themen aus dem Recht, den Steuern oder auch der Sozialversicherung, die beachtet werden müssen.
Rechtliche Stolpersteine bei einer Workation
Die erste Hürde jeder Workation betrifft das Migrationsrecht. Arbeiten im Ausland gilt als gewerbliche Tätigkeit, auch wenn der Arbeitsvertrag in der Schweiz ist. Im Normalfall braucht es daher eine Arbeitsbewilligung oder ein Visum im entsprechenden Land.
Hinzukommen arbeitsrechtliche Vorgaben im Land der Workation, die befolgt werden müssen. Darunter fallen beispielsweise lokale Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen. Ausserdem ist Vorsicht bei der Arbeit an Flughafen oder Cafés im offenen WLAN geboten. In solchen Umgebungen können heikle Unternehmens- oder Kundendaten schnell gefärdet werden.
Das gilt es bei den Steuern während der Workation zu beachten
Das Thema Steuern während einer Workation ist ein komplexes Thema. In vielen Ländern herrschen klare Schwellenwerte, ab denen Ausländer steuerpflichtig werden. Dies kann schon nach wenigen Wochen der Fall sein. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) können hier entlasten. Dabei handelt es sich um Verträge zwischen zwei Staaten. Sie regeln, dass ein Steuerpflichtiger nicht doppelt besteuert wird. Jedoch verfügt nicht jedes Land über ein DBA.
Eine weitere Gefahr besteht darin, ungewollt eine Betriebsstätte im Ausland zu begründen. Stefanie Gugger warnt, dass in einigen Ländern bereits eine Finca des Mitarbeiters als feste Geschäftseinrichtung gelten kann. Dies hätte zur Folge, dass auch das Unternehmen im Ausland Steuern bezahlen müsste.
Klarere Vorgaben bei der Sozialversicherung
Das Sozialversicherungsrecht hat bei der Workation klarere Regelungen. Wer innerhlab von zwölf Monaten mindestens 25 % seiner Arbeit in der Schweiz ausübt, bleibt im Normalfall in der Schweiz verischert. Hierbei muss das Formular A1 vor Beginn der Workation beantragt werden. Somit können Konflikte mit den Versicherungen verhindert werden. Denn wer ohne A1-Bescheinigung im Ausland arbeitet, kann im Falle eines Unfalls von der Schweizer und ausländischen Versicherung abgewiesen werden.
Vorteile von einer Workation
Neben den vielen Risiken und Fragen, die es vor einer Workation zu klären gilt, gibt es auch Vorteile. Das Angebot einer Workation kann einen Arbeitgeber attraktiver machen, Talente binden und Flexibilität schaffen. Um den administrativen Aufwand übersichtlich zu halten haben wir Tipps für Unternehmen aufgelistet:
- Das Modell als Pilotprojekt mit wenigen Mitarbeitenden testen
- Workation auf 15-30 Tage pro Jahr begrenzen
- Problemstaaten in einer Länderliste ausschliessen
- Mit einer klaren Policy Zuständigkeiten, Ablauf und Meldepflichen fixieren
Die Zukunft von der Workation
Während das Thema Workation vor einigen Jahren eine hohe Popularität erreichte, zeigt sich aktuell eine Entwicklung in eine eher konservative Richtung. Es wird erwartet, dass Mitarbeitende wieder vermehrt im Büro präsent sind. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Workation zu einem Standardmodell wird.