Nachhaltigkeit im KMU: Chancen erkennen und Risiken frühzeitig steuern
Viele KMU gehen davon aus, dass sie von Nachhaltigkeitsanforderungen nicht betroffen sind. In der Praxis entstehen die Anforderungen jedoch häufig indirekt über Kunden, Lieferketten, Banken oder Ausschreibungen, lange bevor eine gesetzliche Berichtspflicht besteht. Wer Nachhaltigkeit frühzeitig in die Unternehmensführung integriert, stärkt die Resilienz seines Unternehmens, verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit und erfüllt gleichzeitig steigende regulatorische Anforderungen.
Warum Nachhaltigkeit auch Schweizer KMU betrifft
Viele Schweizer Unternehmen unterliegen zwar nicht direkt der europäischen Berichterstattungspflicht. Dennoch wirken sich die Entwicklungen zunehmend auf den Schweizer Markt aus. Internationale Kunden verlangen Informationen entlang ihrer Lieferketten. Banken und Investoren berücksichtigen Nachhaltigkeitsrisiken zunehmend bei Finanzierungs- und Investitionsentscheiden. Bei öffentlichen Ausschreibungen wird das Thema nachhaltige Beschaffung immer relevanter. Der Bundesrat plant, die Schweizer Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung stärker an internationale Entwicklungen anzupassen. Dazu hat er die das Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) in die Vernehmlassung gegeben und wertet diese nun aus. Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Nachhaltigkeit ein Thema ist, sondern wie Unternehmen angemessen damit umgehen. Nachhaltigkeit ist heute ein integraler Bestandteil einer vorausschauenden Unternehmensführung und eines wirksamen Risikomanagements. Sie trägt dazu bei, die Resilienz zu stärken und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Entwicklungen in der EU
Mit der Verabschiedung der überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und des neuen freiwilligen Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) setzt die Europäische Kommission ein klares Signal: Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt, wird jedoch deutlich praxisorientierter. Die Anzahl der geforderten Datenpunkte wurde um rund 70 Prozent gegenüber den ursprünglichen Entwürfen reduziert. Künftig stehen die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen im Fokus. Damit verfolgt die EU das Ziel, den administrativen Aufwand zu senken, ohne die Transparenz gegenüber Investoren, Kunden und weiteren Anspruchsgruppen zu verlieren.
Nachhaltigkeit gehört ins Risikomanagement
Für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ist Nachhaltigkeit in erster Linie ein Bestandteil einer vorausschauenden Unternehmensführung.
Im Rahmen der jährlichen Risikobeurteilung sollte deshalb geprüft werden, welche ESG-Risiken und -Chancen für das Unternehmen wesentlich sind. Dazu gehören beispielsweise:
- Stabilität und Transparenz der Lieferketten
- Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten oder Absatzmärkten
- Klimabedingte und regulatorische Risiken
- Anforderungen von Kunden, Banken und Investoren
- Reputations- und Compliance-Risiken
- Cyber und KI-Risiken
- Energieversorgung
- Fachkräftemangel inkl. demographische Wandel
Die Auseinandersetzung mit diesen Themen hilft nicht nur, regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Sie stärkt vor allem die Resilienz des Unternehmens. Wer Risiken frühzeitig erkennt und geeignete Massnahmen definiert, kann schneller auf Veränderungen reagieren und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung tun entsprechend gut daran die ESG-Risiken und -Chancen als Bestandteil des bestehenden Enterprise Risikomanagementprozesses (ERM) zu sehen und nicht isoliert zu betrachten.
Vom Reporting zur Unternehmenssteuerung
Nachhaltigkeitsberichterstattung sollte deshalb nicht als reine Compliance-Aufgabe verstanden werden. Vielmehr ist sie ein Instrument, um Risiken transparent zu machen, Chancen zu erkennen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu stärken. Oft genügt bereits ein pragmatischer Ansatz: Die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen identifizieren, Verantwortlichkeiten definieren, Massnahmen ableiten und die Entwicklung regelmässig überprüfen. Genau diesen Weg unterstützt auch die neue Ausrichtung der EU: Weniger Bürokratie, mehr Fokus auf das Wesentliche.
Nachhaltigkeitsberichterstattung ist kein Selbstzweck. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Entscheidungen auf einer besseren Informationsbasis zu treffen.
Fünf Schritte zu einer nachhaltigen Unternehmensführung
Ein erfolgreicher Einstieg muss nicht kompliziert sein. Bereits mit wenigen Schritten können Unternehmen die Grundlagen schaffen.
- Bewusstsein schaffen: Verankern Sie Nachhaltigkeit als Bestandteil Ihrer Unternehmensführung und Ihres Risikomanagements.
- Anforderungen systematisch erfassen: Analysieren Sie die Erwartungen Ihrer Kunden, Lieferanten, Banken und weiteren Anspruchsgruppen.
- Geeignete ESG-Kennzahlen messen: Erfassen Sie relevante Kennzahlen beispielsweise zu Energie- und Ressourcenverbrauch und identifizieren Sie Verbesserungspotenziale.
- Ziele definieren: Entwickeln Sie eine pragmatische Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten und realistischen Zielen.
- Transparent kommunizieren: Dokumentieren Sie Ihre Fortschritte nachvollziehbar, beispielsweise in einem Nachhaltigkeitsbericht.
Wie Balmer-Etienne Sie unterstützt
Wir begleiten Unternehmen praxisnah und zielgerichtet auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen und resilienten Unternehmensführung.
Unser Angebot umfasst unter anderem:
- Unterstützung beim Aufbau eines einfachen und effizienten Nachhaltigkeitsreportings: Beispielsweise mit dem bewährten Nachhaltigkeitsreporting-Tool von esg2go.
- Prüfung und Bestätigung von Nachhaltigkeitsinformationen sowie Erstellung eines Prüfberichts über wesentliche Nachhaltigkeitskennzahlen und den Nachhaltigkeitsbericht.
- Unterstützung bei der Integration von Nachhaltigkeit in das Risikomanagement und die Unternehmensführung.
- Begleitung bei der Identifikation von ESG-Risiken und der Ableitung konkreter Massnahmen zur Stärkung der Unternehmensresilienz.
Unternehmen, die Nachhaltigkeit frühzeitig in ihre Unternehmensführung integrieren, schaffen Transparenz, stärken ihre Widerstandsfähigkeit und sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile. Nachhaltigkeit ist damit weit mehr als eine regulatorische Anforderung, sie wird zu einem Erfolgsfaktor für die Zukunft.
Nutzen Sie die aktuellen Entwicklungen als Chance, Ihr Unternehmen zukunftssicher und resilient aufzustellen. Wir begleiten Sie gerne dabei.
Checkliste für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung
- Nachhaltigkeits- und Lieferkettenrisiken in die jährliche Risikobeurteilung aufnehmen.
- Wesentliche ESG-Risiken und Chancen identifizieren und dokumentieren.
- Prüfen, welche Anforderungen Kunden, Banken und Investoren heute und künftig stellen.
- Beurteilen, ob ein freiwilliges Nachhaltigkeitsreporting sinnvoll ist.
- Verantwortlichkeiten und Massnahmen definieren und periodisch überprüfen.
Rechtliche Entwicklungen im Überblick
Schweizer Risikomanagement
Der Verwaltungsrat ist nach Art. 716a OR für die Oberleitung und die Ausgestaltung des Risikomanagements verantwortlich. Eine systematische Risikobeurteilung gehört heute zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung.
Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz
Die Berichterstattungspflicht gilt heute insbesondere für Unternehmen des öffentlichen Interesses mit mehr als 500 Vollzeitstellen sowie weiteren Grössenkriterien. Ergänzend bestehen Vorgaben zur Klimaberichterstattung.
Geplante Entwicklungen in der Schweiz
Der Bundesrat plant, die Schweizer Regelungen stärker an internationale Standards anzupassen. Gleichzeitig sollen KMU möglichst wenig administrativ belastet werden. Die Vernehmlassung zum indirekten Gegenvorschlag ist am 9. Juli 2026 zu Ende gegangen. Die Stellungnahmen sind seit 30. Juli 2026 publiziert (203 Stellungnahmen auf 2’247 Seiten).
Sobald der Bundesrat die Beschlussentwürfe (Gesetzesentwurf) und die Botschaft vorlegen wird, werden wir Sie informieren.
→ Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG)
Europäische Entwicklungen (ESRS / CSRD)
Die EU vereinfacht die Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich. Gleichzeitig wurde mit dem Voluntary Sustainability Reporting Standard (VS) ein freiwilliger Standard für Unternehmen ausserhalb der Berichtspflicht geschaffen.
Schweizer KMU mit Kunden in der EU
Auch ohne gesetzliche Berichtspflicht verlangen viele europäische Unternehmen Nachhaltigkeitsinformationen entlang ihrer Lieferketten. Ein pragmatisches Nachhaltigkeitsreporting kann deshalb zum Wettbewerbsvorteil werden.