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SWW Teil 2

Globale Mindeststeuer: Ausblick und internationale Entwicklungen

Im dritten Teil geht es um die Zukunft der globalen Mindeststeuer, kantonale Förderinstrumente sowie internationale Entwicklungen und politische Unsicherheiten, die Unternehmen zunehmend beschäftigen.

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Teil 3: Wohin entwickelt sich die globale Mindeststeuer?

Die globale Mindeststeuer wirft auch nach ihrer Einführung zahlreiche Fragen auf. Im Video ordnet Stefan Wigger gemeinsam mit Experte Thomas Hug die aktuellen Entwicklungen ein und zeigt auf, welche Auswirkungen sich für Unternehmen und den Standort Schweiz abzeichnen.

Wie reagieren Kantone auf die globale Mindeststeuer?

Mit Blick auf die globale Mindeststeuer haben verschiedene Kantone begonnen, ihre Förderinstrumente und Standortmassnahmen zu überprüfen. In der öffentlichen Diskussion liegt der Fokus dabei häufig auf grossen Konzernen – verbunden mit der Annahme, bestehende steuerliche Anreize würden vollständig wegfallen.

Diese Einschätzung ordnet Thomas Hug im Video klar ein:
Für den überwiegenden Teil der Schweizer Unternehmen – rund 95 % sind KMU – ergeben sich keine Änderungen. Bestehende Instrumente wie der Forschungs- und Entwicklungsabzug oder die Patentbox bleiben weiterhin bestehen.

Auswirkungen auf grosse Konzerne und die Ergänzungssteuer

Anders gestaltet sich die Situation für multinationale Konzerne, die der globalen Mindestbesteuerung unterliegen. Bei diesen Unternehmen verlieren klassische Steueranreize teilweise ihre Wirkung, da sie zu einer effektiven Steuerbelastung unter 15 % führen würden.

In solchen Fällen greift die Ergänzungssteuer, welche den steuerlichen Effekt dieser Instrumente neutralisiert oder aufhebt. Ziel ist es sicherzustellen, dass Gewinne innerhalb eines Konzerns in keinem Land unterhalb der Mindestbesteuerung liegen.

Neue Förderinstrumente im OECD-Regelwerk

Das Regelwerk der OECD lässt trotz globaler Mindeststeuer neue Formen der Standortförderung zu. Diese sind in der Schweiz bislang weniger verbreitet, gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung:

  • Qualified Refundable Tax Credits (QRTC)
    Steuergutschriften, vergleichbar mit einem staatlichen Gutschein, der direkt von der geschuldeten Steuer abgezogen werden kann.
  • Direkte Förderbeiträge (Subventionen)
    Klassische staatliche Fördermassnahmen, etwa im Bereich Forschung und Entwicklung.

Kantonale Entwicklungen im Überblick

Mehrere Kantone haben bereits konkrete Schritte eingeleitet oder prüfen entsprechende Modelle:

  • Basel-Stadt: Vorreiterrolle mit Volksabstimmung und Prüfung neuer Förderbeiträge
  • Graubünden: Einführung entsprechender Förderinstrumente
  • Luzern & Zug: Parlamentarische Beschlüsse, teils mit anstehenden Volksabstimmungen
  • Genf, Waadt und Zürich: Planspiele und konzeptionelle Arbeiten

Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die kantonale Standortpolitik zunehmend an die neuen internationalen Rahmenbedingungen anpasst.

Politische Unsicherheiten und internationaler Druck

Die globale Mindeststeuer steht aktuell auch politisch unter Druck. Gründe dafür sind unter anderem:

  • Der teilweise Rückzug der USA und Sonderregelungen für amerikanische Unternehmen
  • Der hohe administrative Aufwand für betroffene Konzerne
  • Studien, die zeigen, dass die erwarteten Steuereinnahmen teils tiefer ausfallen als prognostiziert

Gleichzeitig ist das internationale Umfeld stark im Wandel – geprägt durch geopolitische Spannungen zwischen den USA, der EU sowie aufstrebenden Wirtschaftsräumen wie China und Indien.

Warum ein Ausstieg für die Schweiz problematisch wäre

Die globale Mindeststeuer besteht aus mehreren ineinandergreifenden Steuermechanismen. Würde die Schweiz auf ihre Umsetzung verzichten, könnten andere Länder weiterhin auf Gewinne zugreifen, die in der Schweiz tiefer besteuert wurden.

Gerade für Konzerne mit Tochtergesellschaften in der EU bestünde das Risiko, dass ausländische Staaten Steuersubstrat abschöpfen, das sonst der Schweiz zufallen würde – ein aus politischer und wirtschaftlicher Sicht wenig attraktives Szenario.

Entwickelt sich das Steuersystem weiter in Richtung Internationalisierung?

Die globale Mindeststeuer ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer langfristigen Entwicklung hin zu international abgestimmten Steuersystemen.

Die Schweiz ist heute eng eingebunden:

  • durch bilaterale Verträge mit der EU
  • durch internationale Handelsbeziehungen
  • durch die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen

Diese Vernetzung führt dazu, dass sich das Schweizer Steuerrecht zunehmend an internationalen Standards orientieren wird – ein Prozess, der Unternehmen auch in Zukunft begleiten wird.

Vertiefung: Globale Mindeststeuer verständlich erklärt

Das Regelwerk zur globalen Mindeststeuer umfasst über 1’000 Seiten und ist entsprechend kom-plex. Um dieses Thema verständlich und praxisnah aufzubereiten, wurde von Thomas Hug das Buch «Globale Mindeststeuer Schweiz – in a nutshell» veröffentlicht.

Es bietet einen kompakten Überblick und fasst die wesentlichen Inhalte strukturiert zusammen – ideal für alle, die die globale Mindeststeuer fundiert verstehen möchten.

Fazit

Die globale Mindeststeuer bleibt ein zentrales Thema für international tätige Unternehmen. Auch wenn viele Schweizer KMU nicht direkt betroffen sind, verändern sich die steuerlichen Rahmenbedingungen nachhaltig. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den internationalen Vorgaben und kantonalen Entwicklungen schafft Orientierung und Planungssicherheit.

 

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  • Stefan Wigger

    Stefan
    Wigger

    MLaw, dipl. Steuerexperte, LL.M. UZH International Tax Law