Methoden und Herausforderungen bei Unternehmensbewertungen für KMU
Die Frage nach dem angemessenen Unternehmenswert stellt sich unter anderem bei Transaktionen wie Verkauf, Nachfolge oder Refinanzierung. Fundierte und faire Bewertungen sind dabei zentral. Da gerade im KMU-Umfeld oft vergleichbare Marktwerte sowie verlässliche Plandaten fehlen braucht es praxisnahe Bewertungsansätze, die den Besonderheiten von kleineren Unternehmungen gerecht werden und eine nachvollziehbare Entscheidungsbasis schaffen.
Anlässe für Unternehmensbewertungen
Ein objektiv ermittelter Unternehmenswert schafft Transparenz und bildet eine wesentliche Grundlage für faire und nachvollziehbare Verhandlungen. Eine Unternehmensbewertung kann im KMU-Umfeld insbesondere in folgenden Konstellationen relevant werden:
- Beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens oder einzelner Beteiligungen
- Im Rahmen familieninterner Nachfolgeregelungen oder bei Management-Buy-Outs (MBO)
- Bei Ein- oder Austritten von Gesellschaftern oder Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen
- Zur Vorbereitung von Finanzierungen, Kapitalerhöhungen oder strategischen Neuausrichtungen
Bewertungsmethoden
Zur Bewertung eines Unternehmens stehen unterschiedliche anerkannte Verfahren zur Verfügung. Die Wahl der geeigneten Methode richtet sich dabei stets nach dem Bewertungsanlass sowie der Verfügbarkeit und Qualität der relevanten Unternehmensdaten. Eine allgemeingültige Standardmethode existiert nicht – vielmehr ist eine individuelle, fallbezogene Herangehensweise erforderlich.
Eine Übersicht über die in der Bewertungspraxis angewendeten Bewertungsmethoden finden Sie hier:
Unternehmens- und Projektbewertung
Ziel ist es letztlich über eine massgeschneiderte Unternehmensbewertung realistische Bandbreiten zu definieren, die den Unsicherheiten bei der Parameterschätzung und der zukünftigen Entwicklung Rechnung tragen. In der KMU-Bewertungspraxis hat sich ein Methoden-Mix als bewährte Vorgehensweise etabliert. Dabei handelt es sich um die kombinierte Anwendung mehrerer Bewertungsverfahren, um die jeweiligen Schwächen einzelner Methoden auszugleichen und eine fundiertere Bewertung mit einer Wertbandbreite zu ermöglichen.
Herausforderungen bei KMU-Bewertungen
Die Bewertung von KMU ist oft besonders anspruchsvoll, weil es in der Regel keine direkt beobachtbaren und vergleichbaren Marktwerte gibt. Daher basiert die Wertermittlung zwangsläufig auf den bereinigten und normalisierten Zahlen der Vergangenheit unter Berücksichtigung der bestehenden Substanz und der zukünftig erwarteten weiteren Ergebnisse.
Weil die Anwendung rein zukunftsorientierter Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF) als "best practice" der Bewertungsbranche im KMU-Umfeld wie einleitend erwähnt nicht immer möglich ist, werden im Bereich von KMU-Bewertungen (je nach Bewertungsgrund) oft Methoden wie die in der Schweiz immer noch weitverbreitete Praktikermethode (als Kombination von Substanz- und Ertragswertverfahren), Multiplikatorenverfahren oder reine Substanzwertverfahren angewendet, um für alle Stakeholder nachvollziehbare Ergebnisse zu liefern.
Typische Stolpersteine in der KMU-Bewertungspraxis sind dabei:
- Ungenügende verfügbare Informationen / Datenbasis (qualitativ und quantitativ)
- Identifikation einmaliger, ausserordentlicher und periodenfremder Posten der Erfolgsrechnung
- Erkennen von Cashflows aus unterschiedlichen operativen und nicht betrieblichen Tätigkeiten (Betrieb / Immobilien / Finanzanlagen)
- Abschätzung und Ermittlung des nachhaltigen Investitionsvolumens
- Hohe nicht betrieblich notwendige Substanz ohne aktuelle Bewertungsgutachten (z. B. für Immobilien)
- Herleitung korrekter Kapitalkostensätze
- "Bereinigung" von Transaktionen mit Aktionären und Nahestehenden
- Fehlende Übertragbarkeit der Ertragskraft
- Herleitung «normalisierte», nachhaltige Gewinne
- Substanzwert deutlich höher als Ertragswert
- Orientierung an Steueroptimierung statt klarer, betrieblicher Strukturierung
- Aufgeschobene strategische Entscheide, Investitionen und Bereinigungen
- Bemessung der Paketzu- und -abschläge (Mehrheits-/Minderheitsanteile)
- Unrealistische, emotional getriebene Preisvorstellungen
Bedeutung einer professionellen Herangehensweise
Eine Unternehmensbewertung im KMU-Umfeld ist weit mehr als eine reine Rechenaufgabe. Sie verlangt Erfahrung, ein vertieftes Verständnis der Branche und des Marktes sowie ein realistisches Gespür für die individuelle Situation des Unternehmens und für die konkreten Bedürfnisse bisheriger oder neuer Aktionäre. Genau hier setzen unsere interdisziplinären Beratungen an.
Unser Corporate Finance Team unterstützt Sie mit:
- Klarheit: Wir schaffen Transparenz – sowohl im Ergebnis als auch im Vorgehen. Unsere Berichte sind verständlich formuliert und frei von unnötigem Fachjargon.
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