MWST

COVID-19

Haben Sie die MWST der Steuerperiode 2020 bereits abgestimmt?

        

Die Umsatz- und Vorsteuerabstimmung ist keine gesetzliche Schikane gegenüber den Steuerpflichtigen. Im Gegenteil, sie bietet Ihnen die Möglichkeit, die eigene Compliance zu überprüfen und so auch bspw. die Verbuchungsqualität zu verbessern. Steuerpflichtige mit Geschäftsjahresende 31. Dezember 2020 müssen die Berichtigungsabrechnung bis spätestens Ende August 2021 bei der ESTV einreichen. Diese Frist läuft bald ab.

veröffentlicht: Juni 2021

Ihre Ansprechpersonen:

Marc Oliver Müller
Master in Law

Marco Frappa
MAS FH in MWST, LL.M. VAT
dipl. Steuerexperte

Um was geht es?

Alle Steuerpflichtigen müssen im Rahmen des Jahresabschlusses die effektiv getätigten und die in den MWST-Abrechnungen deklarierten Umsätze mit dem handelsrechtlichen Abschluss abstimmen (Art. 128 Abs. 2 und 3 MWSTV). Nach der effektiven Methode abrechnende Steuerpflichtige müssen zudem die Vorsteuern abstimmen. Eine solche Abstimmung muss mindestens einmal jährlich, innerhalb von 180 Tagen nach Ende des Geschäftsjahres, gemacht werden. Werden dabei Fehler und Mängel festgestellt, sind diese bis zum Ablauf von 240 Tagen seit Ende des Geschäftsjahres gegenüber der ESTV mittels einer Berichti gungsabrechnung zu deklarieren und abzurechnen (Art. 72 MWSTG). Die Frist zur Einreichung der Berichtigungsabrechnung ist nicht verlängerbar.

Steuerpflichtige mit Geschäftsjahresende 31. Dezember 2020 müssen die Berichtigungsabrechnung somit bis spätestens Ende August 2021 bei der ESTV einreichen. Diese Frist läuft bald ab.

Was bringt die Abstimmung?

Mögliche Fehl-, Unter- oder Überdeklarationen sollen so aufgedeckt werden. Solche «Deklarationsfehler» können aufgrund von Verbuchungen mit dem falschen Steuerkennzeichen erfolgen, was in der Praxis immer wieder vorkommt. Sie können aber auch aus Buchungen resultieren, welche die Revisionsstelle im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses von der Steuerpflichtigen verlangt und die in den eingereichten MWST-Abrechnungen noch nicht deklariert wurden. Nebst der «Fehleraufdeckung» können die Ergebnisse der Abstimmung aber auch zur Verbesserung der eigenen Verbuchungsqualität und Steuercodierung genutzt werden. Bei der Abrechnung der MWST mittels Pauschalen (Saldo-/Pauschalsteuersatzmethode) kann im Rahmen der Umsatzabstimmung geprüft werden, ob die Voraussetzungen für die Anwendung der Methode noch erfüllt und auch die angewendeten Sätze korrekt sind.

Achtung: Der Abgleich zwischen dem Total der in den eingereichten MWST-Abrechnungen deklarierten Umsätzen und Vorsteuern mit dem Total der mit einem Steuerkennzeichen verbuchten Umsätze und Aufwendungen genügt nicht! Es bedarf effektiv der Überleitung von der Bilanz /Erfolgsrechnung bis hin zur MWST-Deklaration. So ist pro Konto zu prüfen, ob die Umsätze MWST-lich relevant und auch korrekt  deklariert und abgerechnet wurden. Ebenfalls ist zu prüfen, ob die Vorsteuern korrekt geltend gemacht wurden und die schlussendlich resultierende Steuerschuld bezahlt wurde.

Was ist insbesondere bei der Abstimmung der Steuerperiode 2020 zu beachten?

Aufgrund der am 7. Mai 2021 zu den MWST-Auswirkungen der «COVID-19-Beiträge» der öffentlichen Hand publizierten Praxis der ESTV ist insbesondere den COVID-19-Mittellfüssen Beachtung zu schenken. Nach der neuen Praxis führen COVID-19-Beiträge der öffentlichen Hand nicht zu einer Vorsteuerkürzung. Es ist deshalb zu prüfen, ob die Mittelfüsse korrekt deklariert wurden (vgl. unseren Beitrag LINK). Wurden infolge des Erhalts von COVID-19-Beiträgen der öffentlichen Hand bereits Vorsteuerkürzungen vorgenommen, können diese in der Berichtigungsabrechnung rückgängig gemacht werden. Hier geht es zur mwstinfo Mai
2021 zum Verzicht auf Vorsteuerkürzung bei sogenannten «COVID19-Beiträgen» der öffentlichen Hand: https://balmer-etienne.ch/verzicht-auf-vorsteuerkuerzungbei-sogenannten-covid-19-beitraegen-der-oeffentlichenhand/.

Was sind die Folgen einer fehlenden / unterlassenen Abstimmung?

Wird die erforderliche Jahresabstimmung nicht fristgerecht erstellt und bleiben deshalb Fehler bzw. Mängel in den Abrechnungen der zurückliegenden Steuerperioden unentdeckt, kann dies zu Nachbelastungsrisiken mit Verzugszinsfolgen oder zu einer zu hohen Steuerzahllast führen.

Wird keine Berichtigungsabrechnung eingereicht, geht die ESTV davon aus, dass die von der Steuerpflichtigen eingereichten MWST-Abrechnungen vollständig und korrekt sind und die Steuerperiode finalisiert ist. Das Nichteinreichen von Berichtigungen (zulasten des Steuerpflichtigen) kann die ESTV als Steuerhinterziehung qualifizieren und mit einer Busse bestrafen (Art. 96 i.V.m. Art. 98 MWSTG).

Gerne unterstützen wir Sie bei der Umsatz- und Vorsteuerabstimmung.

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