KMUINFO

Wichtigste Neuerungen und Praxistipps

Rund um die Mehrwertsteuer, Steuerreform sowie weitere aktuelle Themen im 2019

        

Erfahren Sie in dieser KMUinfo, wieso im 2019 Mehrwertsteuer auf Ihren Bestellungen vom Ausland aufgeführt sein könnte und wie Sie die Steuerreform direkt betrifft. Gleichzeitig zeigen wir Ihnen, wie Ihre Geschäftsunterlagen und Personaldossiers ehemaliger Mitarbeitenden in Sachen Aufbewahrungs-Richtlinien und Datenschutz zu behandeln sind. Wissen Sie bereits, was Sie bei Inhaberaktien speziell zu beachten haben und wann eine Unterschrift auch digital gültig ist? Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen klar und verständlich aufbereitet und eine kompakte Übersicht der wesentlichen Beitragssätze der Sozialversicherungen sowie die wichtigsten steuerlichen Zinssätze für 2019 zusammengestellt.

veröffentlicht: Februar 2019

Ihre Ansprechpersonen:

Jeannette Ming-De Pretto
MAS FH in Treuhand und Unternehmensberatung
dipl. Treuhandexpertin

Stefan Wigger
MLaw, dipl. Steuerexperte
CAS UZH in International Tax Law

Valentina Zürcher
MLaw, Rechtsanwältin

Versandhandel neu mit Mehrwertsteuer

Am 1. Januar 2019 trat Art. 7 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer (MWST), die sogenannte Versandhandelsregelung, in Kraft. Infolgedessen könnten Sie künftig mit der Schweizer MWST ergänzte Rechnungen Ihrer Lieferanten aus dem Ausland erhalten, die bis dato von einer solchen befreit waren. Wer im Jahr 2018 einen Umsatz von mindestens CHF 100 000 Franken aus Kleinsendungen erzielt hat und wenn anzunehmen ist, dass auch in den darauffolgenden zwölf Monaten solche Lieferungen ausgeführt werden, ist ab dem 1. Januar 2019 in der Schweiz obligatorisch mehrwertsteuerpflichtig. Kleinsendungen liegen dann vor, wenn der Steuerbetrag CHF 5 oder weniger beträgt und deswegen keine Einfuhrsteuer erhoben wird.

Werden erst ab dem 1. Januar 2019 Gegenstände aus dem Ausland in die Schweiz geliefert, die aufgrund des geringfügigen Steuerbetrages von der Einfuhrsteuer befreit sind, so gilt der Ort der Lieferung bis zum Ende desjenigen Monats als im Ausland gelegen, in dem der Versandhändler die Umsatzgrenze von CHF 100 000 aus solchen Lieferungen erreicht hat. Ab dem Folgemonat gilt der Ort der Lieferung für alle (Beförderungs- und Versand-) Lieferungen des Versandhändlers vom Ausland in die Schweiz als in der Schweiz gelegen. Er muss sich in der Folge im Schweizer MWSTRegister eintragen lassen.

Von der Steuervorlage 17 zur STAF

Nach der an der Urne gescheiterten Unternehmenenssteuerreform III hat der Bundesrat im Frühjahr 2018 die Botschaft zur Steuervorlage 17 (SV17) verabschiedet, damit die Schweiz im internationalen Steuerwettbewerb weiterhin attraktiv bleibt. Der Ständerat hat in der Sommersession 2018 in die SV17 einen sozialpolitischen Ausgleich zugunsten der AHV eingefügt. Die Vorlage heisst deshalb neu Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF).

Kernpunkt der STAF bildet weiterhin die Abschaffung der international nicht mehr akzeptierten kantonalen Statusgesellschaften (Holding/Domizilgesellschaften). Im Gegenzug sollen diverse steuerliche Massnahmen wie die Patentbox, den zusätzlichen Abzug für F&E Ausgaben sowie ein Abzug für Eigenfinanzierung bei mind. 18.03 % Gewinnsteuerbelastung eingeführt werden.

«Die Massnahmen sollen auf den 1. Januar 2020 in Kraft treten. Wird das Referendum ergriffen, erfolgt am 19. Mai 2019 eine Volksabstimmung.»

Aus Sicht der Schweizer KMU dürften sich die Auswirkungen dieser zentralen Elemente in engen Grenzen halten. Einschneidender dürften für KMU die Erhöhung der Dividendenbesteuerung beim Bund und in den Kantonen (LU 60 %, NW 50 %, ZH 50 %) sein. Die Anpassungen beim Kapitaleinlageprinzip für börsenkotierte Gesellschaften sowie eine Erhöhung der Lohnbeiträge von 0.3 % (Arbeitnehmer und Arbeitgeber je 0.15 %) zugunsten der AHV sind weitere Elemente der STAF. Entlastend für die KMU ist sicher, dass einige Kantone ihre Gewinn- und Kapitalsteuern senken werden.

In der Herbstsession ist der Nationalrat den Beschlüssen des Ständerats weitgehend gefolgt. Am 28. September 2018 wurde die STAF verabschiedet.

Aufbewahrungspflicht von Geschäftsunterlagen

Die Digitalisierung schreitet in der heutigen Geschäftswelt immer weiter voran und Unternehmen setzen immer stärker auf elektronischen Geschäftsverkehr und digitale Arbeitsabläufe. In der Schweiz stellte die Mehrwertsteuer (MWST) aber bisher an die elektronische Archivierung von Geschäftsbelegen ungleich höhere Anforderungen als an die papierene Archivierung. Nur wenige Unternehmen haben diese Anforderungen in der Praxis vollständig umgesetzt. Nun wurde dies mit der Aufhebung der Verordnung über elektronische Daten und Informationen (EIDI-V) im letzten Jahr beseitigt.

Vorhergehendes bedeutet jedoch nicht, dass nun eine völlige Formfreiheit herrscht. Vielmehr fällt der komplexe Ablauf eines Einzelbelegnachweises mit elektronischer Signatur weg. Die reine Abspeicherung von PDF Dateien und ähnlichen Formaten auf einem Laufwerk ist nach wie vor nicht ausreichend, um den Vorgaben gerecht zu werden. Geschäftsbücher- und MWST-Verordnung geben vor, dass Belege bis zum Ende der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist so aufbewahrt werden müssen, dass sie nicht geändert werden können oder aber sich eine Veränderung feststellen lässt (Logfiles).

Balmer-Etienne wird 2019 eine digitalisierte Archivlösung einführen und auch anbieten, die alle entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Zum einen kann dadurch das Papierarchiv vollumfänglich abgelöst werden. Anderseits kann gleichzeitig durch Automatisierung im Prozess eine Effizienzsteigerung erwirkt werden.

Einschneidende Konsequenzen bei Nichteinhaltung der GAFI-Vorschriften

Seit 1. Juli 2015 sind die sogenannten GAFI-Vorschriften in Kraft. Sie setzen die Empfehlung der Group dʼaction financière (GAFI) um und bezwecken die Bekämpfung von Geldwäscherei sowie Terrorismusfinanzierung.

Die GAFI-Vorschriften sehen kurz zusammengefasst was folgt vor: Der Erwerber von Inhaberaktien hat der Gesellschaft innert Monatsfrist die Angaben der wirtschaftlich berechtigten Person mitzuteilen. Bei Namenaktien besteht die Pflicht zur Meldung der wirtschaftlich berechtigten Person, wenn mit dem Erwerb der Grenzwert von 25 % des Aktienkapitals oder der Stimmen erreicht oder überschritten wird. Unter Erwerb wird einerseits der originäre Erwerb bspw. bei der Gründung oder einer Kapitalerhöhung wie auch der derivative Erwerb durch Übertragung der Aktien bspw. durch Kauf, Schenkung, Erbgang oder Fusion verstanden. Die Meldung der Angaben der wirtschaftlich berechtigten Personen wird als GAFI-Meldung bezeichnet. Gestützt auf die GAFI-Meldung ist der Verwaltungsrat verpflichtet, ein Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen zu führen. Dieses Verzeichnis wird in der Regel in das Aktienbuch integriert.

Bei Nichteinhaltung der GAFI Vorschriften wie z. B. bei der Nichtvornahme der GAFI-Meldung sind die Konsequenzen gravierend: Die Mitgliedschaftsrechte ruhen, d. h. es kann insbesondere kein Stimmrecht ausgeübt werden, und das Dividendenrecht ruht bzw. verwirkt sogar nach einer gewissen Zeit. Aufgrund dieser einschneidenden Folgen empfiehlt es sich, bei jeglichen Aktientransaktionen ein Auge auf die GAFI-Vorschriften zu werfen und diese strikte zu befolgen. Die GAFI-Vorschriften gelten gleichermassen auch für die GmbH respektive für den Erwerb von Stammanteilen.

Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass im Zusammenhang mit der erweiterten Umsetzung der Empfehlungen der GAFI in der Schweiz die Inhaberaktien gänzlich abgeschafft werden sollen. Die entsprechende Gesetzesrevision befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung.

Datenschutz bei Personaldossiers ausgetretener Mitarbeitenden

Mit dem Austritt eines Mitarbeitenden hat der Arbeitgeber als Grundsatz die Pflicht, alle Daten seines ehemaligen Mitarbeitenden sofort zu löschen. Davon ausgenommen sind auserlesene Dokumente und Daten, welche für die Sozialversicherungen und Lohndeklarationen oder für die Erstellung und Begründung eines Arbeitszeugnisses und für Referenzauskünfte (Arbeitsvertrag, Zwischenzeugnis und Abschlusszeugnis, Mitarbeitergespräche der letzten zwei Jahre vor Austritt) sowie für die Durchsetzung eines nachvertraglichen Konkurrenzverbotes oder anderer Rechte des Arbeitgebers (z. B. Abtretung von Immaterialgüterrechten) notwendig sind. Hier gilt eine Löschfrist von zehn Jahren nach Austritt eines Mitarbeitenden. Zudem kann ein berechtigtes Interesse seitens Arbeitgeber bestehen, die Daten aufzubewahren, solange ein gerichtliches Verfahren läuft oder angedroht ist. Zu denken ist hier vor allem an die 180-Tage-Frist für die gerichtliche Geltendmachung einer missbräuchlichen Kündigung gemäss Art. 336 ff. OR, beginnend ab Ende des Arbeitsverhältnisses.

Im Bereich der digitalen Infrastruktur des Arbeitgebers gibt es zudem persönliche Daten, die von den Arbeitnehmenden selbst zu löschen sind, z. B. private E-Mails, private Routen im Navi, private Daten auf dem Geschäftsserver, private Daten auf dem Firmenhandy usw.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass beim Austritt eines Mitarbeitenden der Arbeitgeber die Daten im Personaldossier im Grundsatz sofort zu löschen hat, wobei bei berechtigten Interessen eine Löschfrist von 180 Tagen und für Spezialdokumente von zehn Jahren vorzusehen ist.

Wann qualifiziert eine elektronische Unterschrift?

Bei der elektronischen Unterschrift gilt es zwei wesentliche Unterschiede zu beachten. Die qualifizierte elektronische Signatur ist aktuell die einzig in der Schweiz anerkannte Signatur, welche der eigenhändigen Unterschrift rechtlich gleichgestellt ist.

Weiter gibt es noch die elektronische Signatur, welche für das Verfahren steht, das mit höchster Verlässlichkeit aufzeigt, von wem die digitalen Daten stammen (Authentizität). Dadurch kann der Absender seine Identität nachweisen und der Empfänger sich zweifelsfrei vergewissern, wer der Absender ist und ob das Dokument während der Übermittlung nicht verändert wurde (Integrität). Die Authentizität stellt die elektronische Identität einer Person sicher. Die Integrität stellt die Unveränderbarkeit und Unverfälschbarkeit von elektronischen Informationen und Dokumenten sicher.

Was bisher über den traditionellen Postweg handschriftlich unterzeichnet worden ist, kann nun über die Zustellplattform qualifiziert elektronisch signiert werden. Ausgenommen von dieser Regel sind eingescante Dokumente, da Sie die gesetzlichen Formvorschriften nicht einhalten.

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