KMU

KMUinfo

Wichtigste Neuerungen und Praxistipps

        

Erfahren Sie in diesem KMUinfo, wieso Sie allenfalls neue Zeiterfassungscodes programmieren und was Sie für die ab 2022 geltenden Regelungen bereits jetzt aufgleisen sollten. Wir zeigen Ihnen, wo ein Frühwarnsystem behilflich ist, was Sie betreffend angepasstem DSG zu beachten haben und wie mit «Dream Office» Anfragen umzugehen ist. Zudem beleuchten wir, weshalb Sie Ihre Arbeitsverträge kurz prüfen sollten, wie sich ein Konkurrenzverbot bei Kündigung durch den Arbeitgeber auswirkt und was Ihr HR beratend leisten kann, wenn eine ü58 Person entlassen werden muss. Die wichtigsten Informationen klar und verständlich zusammengefasst. Themenspezifisch stehen Ihnen auf unserer Homepage detaillierte Berichte zur Verfügung. Haben Sie weitere Fragen? Kontaktieren Sie uns.

veröffentlicht: August 2021

Ihre Ansprechpersonen:

Jeannette Ming-De Pretto
MAS FH in Treuhand und Unternehmensberatung
dipl. Treuhandexpertin

Daniel Schnider
dipl. Experte in Rechnungslegung
und Controlling

Wichtigste Neuerungen

Inkrafttreten der zweiten Etappe des Bundesgesetzes über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung (Betreuungsurlaub)

Seit dem 1. Juli 2021 ist die zweite Etappe des Bundesgesetzes zur Unterstützung von betreuten Angehörigen in Kraft. Über die Details, wann Mitarbeitenden in bestimmten Fällen 14 Wochen bezahlter Betreuungsurlaub zusteht, wurde in unserer letzten Ausgabe berichtet.

Durch die gesetzlich gegebene Möglichkeit, den Bezug dieser Betreuungstage auf 18 Monate zu verteilen, empfehlen wir Ihnen die Ergänzung eines entsprechenden AbsenzenCodes in Ihrem Zeiterfassungssystem. Ohne Einsatz einer entsprechenden Software ist es ratsam, je betroffenem Mitarbeitenden eine entsprechende Aufstellung zu führen, um die bezogenen Tage auch jahresübergreifend kontrollieren zu können.

Neues Datenschutzrecht (nDSG) – Handlungsbedarf, auch bei KMUs

Auch wenn nicht vor Mitte 2022 mit der Inkraftsetzung des neuen nDSG gerechnet wird, besteht Handlungsbedarf – auch für KMUs.

Das nDSG kennt keine Übergangsfristen!

Die Einhaltung des Datenschutzes wird mit dem revidierten Gesetz aufwändiger, ist dynamisch und risikobasiert. Die Erweiterung der persönlichen Bussen bis CHF 250 000 bei vorsätzlicher Begehung einer Verletzung der Informationspflichten, der Datensicherheit, der Betroffenenrechten sowie beim Outsourcing oder beim Datentransfer ins Ausland rufen nach einer klaren Struktur.

Datenschutz wird somit zur Chefsache!

In der Beilage (Siehe unten) überlassen wir Ihnen zur Umsetzungshilfe ein Massnahmenkatalog.

Rückzahlung von WEF-Vorbezügen

Diese Neuerung betrifft Personen, welche kurz vor der Pensionierung (bis 3 Jahre vorher) ihr Eigenheim verkaufen. Falls das selbstbewohnte Wohneigentum mit WEF-Vorbezügen finanziert worden ist, sind die WEF-Vorbezüge zwingend in die Pensionskasse zurückzuführen. Diese Rückzahlungsverpflichtung endet neu erst mit Eintritt ins ordentliche Pensionsalter; vormals drei Jahre vorher.

Weiterführung der BVG-Versicherung ab 58 – neu ohne Stelle möglich!

Neu können Mitarbeitende, die im Alter ab 58 durch den Arbeitgeber im gekündeten Arbeitsverhältnis sind und keine neue Stelle in Aussicht haben, auf eigene Kosten in ihrer bisherigen Pensionskasse verbleiben. Sie haben somit die gleichen Rechte wie Verzinsung, Umwandlungssatz usw. wie während der Anstellung. Insbesondere die Inanspruchnahme der Rentenleistungen ist ein Vorzug. Denn Freizügigkeitsstiftungen zahlen in der Regel bei Pensionierung lediglich das Kapital aus.

Aus der Praxis

Rückwirkend neue MWST-Praxis betreffend Vorsteuerkürzung bei sog. COVID-19-Beiträgen der öffentlichen Hand

Die ESTV hat aufgrund der COVID-19 Geldflüsse rückwirkend eine neue MWST-Praxis geschaffen. Danach stellen «COVID-19-Beiträge» der öffentlichen Hand aus MWST-Sicht Subventionen dar, welche aber – entgegen den gesetzlichen Regelungen und der bisherigen Praxis der ESTV – keine Vorsteuerkürzung bewirken; die Deklaration in Ziffer 910 entfällt jedoch nicht! Dies wirkt sich positiv auf die nach der effektiven Methode abrechnenden Steuerpflichtigen aus. Wurden aufgrund des Erhalts solcher Mittelflüsse bereits Vorsteuerkürzungen vorgenommen, können diese rückwirkend auf das 1. Quartal 2020 rückgängig gemacht und Mittels Korrektur- oder Finalisierungsabrechnung wieder eingefordert werden.
Aber Achtung: Normale Betriebs- resp. Objektsubventionen sind hiervon nicht betroffen.
Detaillierte Erläuterungen zu diesem Thema können Sie unserer Publikation vom 7. Mai 2021 betreffend Subventionen und Spesen, Ziffer 1.3.4 entnehmen.

Frühwarnsystem – Finanzcockpit

Kennen Sie die Situation, dass der letzte Abschluss eine erfolgreiche Rendite und ausreichend Liquidität ausweist; doch plötzlich sehen Sie sich mit einem Umsatzeinbruch, nicht ausreichender Liquidität oder freien Kapazitäten – ohne «Vorwarnung» – konfrontiert? Wenn die finanzielle Berichterstattung ausschliesslich auf vergangene Fakten ausgerichtet ist, kann dies geschehen.

Daher empfehlen wir in Ergänzung in die Zukunft gerichtete, aussagekräftige und messbare Kennzahlen wie beispielsweise Auftragseingang und –bestand; Lagerreichweite, speziell für kritische Komponenten; Rapportierung der Umweltfaktoren, die den Auftragseingang beeinflussen (könnten).
Zusammengefasst in einem zeitnah erstellten Finanzcockpit, das messbare Frühwarnindikatoren für jeden essentiellen Teil der Wertschöpfungskette ausweist, kann dies ein erheblicher Mehrwert schaffen und als wirksames Führungs- und Lenkungsinstrument eingesetzt werden.

Konkurrenz- oder Arbeitsverbot – was es zu beachten gilt

Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses gilt ein striktes Konkurrenzverbot, welches selten Anlass zu Diskussionen gibt.
Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses braucht es dafür eine schriftliche Vereinbarung, mit der das nachvertragliche Konkurrenzverbot räumlich, zeitlich und sachlich eingeschränkt werden muss. Ausserdem darf das Konkurrenzverbot nur Mitarbeitenden auferlegt werden, die Einblick in den  Kundenreis sowie in Fabrikations- und Geschäftsgeheimnissen hatten und damit den Arbeitgeber erheblich schädigen könnten.
Insgesamt darf jedoch das wirtschaftliche Fortkommen des Mitarbeitenden nicht unnötig erschwert werden, damit das Konkurrenzverbot nicht einem Arbeitsverbot gleichkommt. Unangemessene Konkurrenzverbote werden deshalb im Streitfall oftmals von Gerichten eingeschränkt bzw. herabgesetzt.

Zudem gilt zu beachten: Kündigt der Arbeitgeber ohne begründeten Anlass seitens des Mitarbeitenden oder kündigt der Mitarbeitende wegen eines begründeten, vom Arbeitgeber zu verantwortenden Anlass, so fällt das Konkurrenzverbot dahin.

Zudem gilt zu beachten: Kündigt der Arbeitgeber ohne begründeten Anlass seitens des Mitarbeitenden oder kündigt der Mitarbeitende wegen eines begründeten, vom Arbeitgeber zu verantwortenden Anlass, so fällt das Konkurrenzverbot dahin.

«Dream Office», das HomeOffice im Feriendomizil

Sozialversicherungsabkommen geben vor, wo Mitarbeitende sozialversicherungspflichtig sind. Sobald die Arbeit im ausländischen Wohnsitz oder Feriendomizil entrichtet wird, ist dies zu überprüfen. Denn ab einer regelmässigen Tätigkeit von 25% im Ansässigkeitsstaat, verschiebt sich die Sozialversicherungspflicht aus der Schweiz.
Anspruchsvoll wird es bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz ausserhalb der EU haben oder bei sogenannten «Arbeitsnomaden», die in mehreren Ländern die Arbeit entrichten. Hier bedarf es einer  individuellen Unterstellungsabklärung.

Zudem empfehlen wir Arbeitgebern mit multinational wohnhaften Mitarbeitenden dringlichst, ihre Unfall- und Krankentaggeldpolice auf diese Gegebenheiten hin überprüfen und gegebenenfalls ergänzen zu lassen. Denn bei offensichtlich mangelhafter Police oder zu grosszügigen HomeOffice-Regelungen kann ein allfällig von der Versicherung nicht gedeckter Schaden auf den Arbeitgeber zurückfallen.

Aktuelle Vorbereitungen auf 2022

Überarbeitetes Formular «Lohnausweis»

Erstmals seit der Einführung der 13-stelligen Sozialversicherungsnummer wurde das Formular Lohnausweis am 21. Dezember 2020 in angepasster Form publiziert. Für die Deklarationen der Löhne 2021 ist nun ausschliesslich dieses neue Formular, bei welchem das Geburtsdatum des Mitarbeitenden angegeben werden soll, zu verwenden. Das Feld der früheren AHV-Nummer entfällt. Entsprechend soll die Lohnsoftware vom Hersteller aktualisiert werden.
Wir empfehlen einen frühzeitigen Testdruck durch zu führen.
Zudem raten wir Ihnen hinsichtlich der Bestätigung von Aussendienst- und Home-Office-Tagen für 2021 die effektiven Tage zu überprüfen und zu vergleichen, bevor Sie die Pauschaldeklaration umsetzen.

Geschäftsfahrzeuge und Einzelarbeitsverträge – was ist zu prüfen?

Ab dem 1. Januar 2022 tritt die erweiterte pauschale Besteuerung der privaten Nutzung von Geschäftsfahrzeugen in Kraft. Der Ansatz wird von bisher 0.8% auf neu 0.9% je Monat respektive von 9.6% auf 10.8% pro Jahr erhöht. Wir empfehlen Ihnen daher frühzeitig zu prüfen, ob in Ihren Arbeitsverträgen lediglich die Abrechnung des Privatanteils oder effektiv 9.6% erwähnt sind. Bei letztem wären rechtzeitig entsprechende Vertragsänderungen aufzugleisen – bitte denken Sie dabei auch an die Bestimmungen der Änderungskündigung.

Wir verfolgen das Ganze und informieren Sie gerne in unserer nächsten Ausgabe über neue Erkenntnisse; «kurz & knackig» zusammengefasst.

TREUHAND · PRÜFUNG · BERATUNG