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KMUinfo

Wichtigste Neuerungen und Praxistipps

        

Erfahren Sie in dieser KMUinfo, wieso Sie allenfalls Ihre Ressourcen neu planen sollten und was Sie für Nettolohnberechnungen ab 2021 zu beachten haben. Wir zeigen Ihnen, was Sie bei der Ausstellung der Lohnausweise 2020 berücksichtigen und weshalb Sie Ihre Statuten überprüfen sollten. Zudem beleuchten wir, was Sie bei gewährten Mietzinserlassen unter Nahestehenden zu beachten haben. Die wichtigsten Informationen klar und verständlich zusammengefasst. Themenspezifisch stehen Ihnen auf unserer Homepage detaillierte Informationen zur Verfügung. Haben Sie weitere Fragen? Kontaktieren Sie uns.

veröffentlicht: Januar 2021

Ihre Ansprechpersonen:

Jeannette Ming-De Pretto
MAS FH in Treuhand und
Unternehmensberatung
dipl. Treuhandexpertin

Stefan Wigger
MLaw, dipl. Steuerexperte
LL.M. International Tax Law

Wichtigste Neuerungen

Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung (Betreuungsurlaub)

Der vom Parlament im Dezember 2019 beschlossene Betreuungsurlaub wird in zwei Etappen per 1. Januar 2021 und per 1. Juli 2021 in Kraft treten.

Bezahlter Kurzurlaub per 1. Januar 2021

Per 1. Januar 2021 tritt der Anspruch auf bezahlten Urlaub für die Betreuung eines Familienmitglieds oder des Lebenspartners mit gesundheitlicher Beeinträchtigung in Kraft. Neu muss der Arbeitgeber einen bezahlten Kurzurlaub nicht mehr nur für die Betreuung eines Kindes, des Ehegatten oder eingetragenen Partners gewähren, sondern auch für die Betreuung weiterer Familienangehöriger (bspw. Eltern und Geschwister) sowie von faktischen Lebenspartnern. Die Maximaldauer des bezahlten Kurzurlaubs wird auf drei Tage pro Ereignis und maximal zehn Tage pro Dienstjahr beschränkt, wobei die jährliche Beschränkung bei Kindern nicht gilt. Während dieser Abwesenheiten muss der Lohn voll bezahlt werden und die Abwesenheitstage dürfen nicht an die Dauer der Lohnfortzahlungspflicht bei unverschuldeter Arbeitsverhinderung angerechnet werden.

Bezahlter Betreuungsurlaub von 14 Wochen per 1. Juli 2021

Erwerbstätige Eltern von schwer kranken oder nach einem Unfall schwer beeinträchtigten Kindern erhalten ab 1. Juli 2021 Anspruch auf höchstens 14 Wochen Betreuungsurlaub, welche sie frei unter sich aufteilen können. Während der ersten sechs Monate der Rahmenbezugsfrist von 18 Monaten darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis ausserhalb der Probezeit nicht kündigen. Zudem darf wegen des Bezugs eines Betreuungsurlaubs keine Ferienkürzung erfolgen. Der Betreuungsurlaub wird über die EO finanziert, sodass der Arbeitgeber zumindest finanziell entlastet wird.

Folgen und Handlungsbedarf für KMU

Sowohl der erweiterte Anspruch auf bezahlten Kurzurlaub als auch der neue Anspruch auf Betreuungsurlaub ist relativ zwingend und darf vertraglich nur zugunsten der Arbeitnehmenden erweitert werden. Somit löst die Gesetzesänderung weniger weitgehende Regelungen in Personalreglementen oder Arbeitsverträgen automatisch ab.

Es empfiehlt sich, das Personalreglement und Arbeitsverträge unter Berücksichtigung der neuen gesetzlichen Regelung zu überprüfen und gegebenenfalls (mittels Änderungskündigung) anzupassen. Durch die Erweiterung des Anspruchs auf bezahlte Kurzurlaube und die Einführung des Betreuungsurlaubs wird sodann das Risiko von kurz- und mittelfristigen Ausfällen bedeutend erhöht, was erweiterte Massnahmen zur Sicherstellung des Betriebs bei Abwesenheiten notwendig machen kann. Schliesslich sollte sichergestellt werden, dass ein Überblick über bereits bezogene Urlaubstage besteht, damit stets kontrolliert werden kann, ob bzw. wann die jeweilige Höchstdauer des Anspruchs erreicht ist.

Die «grosse» Aktienrechtsrevision

Nach über zehn Jahren politischen Diskussionen wird die «grosse» Aktienrechtsrevision definitiv umgesetzt. Bereits per 1. Januar 2021 treten Offenlegungspflichten für Rohstoffunternehmen sowie die Einführung der Geschlechterquote bei Publikumsgesellschaften in Kraft, wobei für Letzteres eine mehrjährige Übergangsfrist gilt. Die übrigen Bestimmungen werden voraussichtlich Anfang / Mitte 2022 in Kraft treten.

Die Aktienrechtsrevision umfasst eine Vielzahl von Erleichterungen und Flexibilisierungen wie bspw. die Möglichkeit der rein virtuellen Durchführung von Generalversammlungen, Festlegung des Aktienkapitals in der funktionalen Fremdwährung, Zulässigkeit der Ausrichtung von Zwischendividenden sowie Einführung eines Kapitalbands zur Kapitalveränderung, um nur einige von vielen Anpassungen zu nennen.

Zudem verändert die Revision das Sanierungsrecht. Der VR hat die Liquidität zu überwachen und bei drohender Zahlungsunfähigkeit Massnahmen zu deren Sicherstellung zu treffen. Bei einer Überschuldung ist die Bilanz nicht mehr umgehend zu deponieren, sofern begründete Aussicht besteht, dass die Überschuldung innert spätestens 90 Tagen nach Vorliegen einer geprüften Zwischenbilanz behoben werden kann.

Handlungsbedarf

Gewisse Flexibilisierungsmöglichkeiten bedürfen einer statutarischen Grundlage. Daher empfiehlt es sich, die Statuten auf das Inkrafttreten der Revision hin zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Anpassung Berechnung Kapitalisierungszinssatz für Unternehmensbewertung

Am 3. November 2020 hat die Schweizerische Steuerkonferenz (SSK) Änderungen zum Kreisschreiben Nr. 28 «Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer» vom 28.08.2008 publiziert. Dabei wird die Berechnung des Kapitalisierungssatzes zur Ermittlung des Ertragswerts für Bewertungen mit Bilanzstichtag ab 1. Januar 2021 angepasst. Die Herleitung des Kapitalisierungssatzes bleibt weiterhin komplex. Die Anpassungen werden ab 2021 einen leicht höheren Kapitalisierungssatz ergeben. Dies ist für die Steuerpflichtigen positiv, weil sich daraus in der Regel ein geringerer Vermögenssteuerwert ihrer nicht kotierten Wertpapiere ergibt. Der Kapitalisierungssatz – welcher für das Jahr 2019 7 % betrug – wird weiterhin jährlich publiziert. Als Folge dieser Anpassung wurde auch neu definiert, wann eine «angemessene Dividende» (Grenzrendite) vorliegt, welche den Pauschalabzug bei der Vermögenssteuer ausschliesst. Die Grenzrendite 2019 betrug 1 %; es muss beobachtet werden, welche Grenzrendite sich aufgrund dieser Anpassung ergeben wird.

Im Weiteren wurde die Praxis zur Bewertung von Startup- Gesellschaften klarer umschrieben.

Aus der Praxis

Covid-19: Lohnausweis und Steuern

Die Corona-Krise und die durch den Bundesrat beschlossenen, ausserordentlichen Massnahmen haben Auswirkungen auf die steuerlichen Belange von natürlichen Personen.

Kurzarbeitsentschädigung: Qualifiziert als steuerbares Einkommen. Die Leistungen sind durch den Arbeitgeber in Ziff. 7 des Lohnausweises (LAW) zu deklarieren. Der Ausweis in Ziff. 7 ist für die Steuerverwaltung im Veranlagungsverfahren ein Hinweis, dass nicht die vollen Berufsauslagen geltend gemacht werden können.

Ist der Arbeitgeber bereit, dem Arbeitnehmer während der Kurzarbeit den vollen Lohn auszubezahlen, so wird dieser in Ziff. 1 des LAW deklariert. Hierbei empfiehlt sich ein zusätzlicher Hinweis in Ziff. 15 betreffend Kurzarbeit «KA von X bis Y».

Erwerbsausfallentschädigung: Qualifiziert als steuerbares Einkommen und ist in der Steuererklärung als solches zu deklarieren. Es erfolgt keine Bescheinigung im LAW, wenn eine direkte Auszahlung von den Ausgleichskassen an den Empfangsberechtigten erfolgt. Bei Auszahlungen an den Arbeitgeber ist diese wiederum im LAW unter Ziff. 7 zu deklarieren.

Berufsauslagen: Als steuerlich abziehbare Berufskosten der unselbständigen Erwerbstätigkeit gelten Aufwendungen, die für die Erzielung des Einkommens erforderlich sind und in einem direkten ursächlichen Zusammenhang dazu stehen. Für viele Berufsauslagen gelten Pauschalansätze, um aufwändige Abklärungen zu vermeiden. Viele Kantonalen Steuerverwaltungen haben mitgeteilt (u.A. LU, ZH), dass unselbständig Erwerbstätige in der Steuererklärung 2020 ihre Berufskosten (Fahrkosten, Verpflegung, übrige Berufskosten) so geltend machen können, wie sie ohne Corona- Massnahmen angefallen wären. Insbesondere werden diese Berufskosten nicht um die Corona bedingten Home-Office Tage gekürzt. Diese Handhabung schliesst im Gegenzug einen Abzug für Home-Office Kosten aus.

Abzug für ein Arbeitszimmer: Dazu braucht es verschiedene Voraussetzungen (bspw. ein separater Raum, welcher im Wesentlichen der Berufsausübung dient). Die Arbeitszimmerkosten gelten als übrige Berufskosten, welche grundsätzlich mit dem Pauschalabzug abgegolten sind (3 % des Nettolohns, max. CHF 3 000 beim Bund). Der Nachweis höherer, effektiver Kosten ist möglich.

Mietezinserlasse

Verschiedene Mieter haben währen der Corona-Krise den Mietern von Geschäftsräumen die Mieten freiwillig erlassen, gestundet oder gekürzt. Einen gesetzlich verordneten Teilerlass gibt es nicht, nachdem die Vorlage im Parlament im Dezember 2020 gescheitert war.

Ein Mieterlass führt beim Vermieter zu einem geringeren Ertrag aus unbeweglichem Vermögen resp. zu einer Erlösminderung. Eine Mietzinsreduktion unter Nahestehenden muss einem Drittvergleich entsprechen. Haben sich während der Corona-Krise im Frühjahr 2020 gewisse Mieterlasse lokal durchgesetzt, so kann dies im entsprechenden Zeitraum als marktüblich herangezogen werden. Letztlich hängt vieles vom Goodwill der Steuerämter ab.

Aktuelles aus Bundesbern

Klarstellung durch EFD;

Zinsanpassungen der Covid-Kredite

Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) stellt klar: «Der Nullzins gilt nur fürs erste Jahr.» Danach kann das EFD diesen jährlich anpassen. Gleichzeitig veröffentlicht das EFD jedoch auch die Meldung, dass der Satz bei Null bleibt, solange das Zinsniveau so tief bleibt wie heute.

MWST Online

Per 1. Januar 2021 wird die online MWST-Abrechnung zum Standard. Nebst der schon seit einigen Jahren existierenden «ESTV Suisse-Tax»-Plattform wird ab Januar 2021 eine neue vereinfachte IT-Lösung namens «MWST Abrechnung easy» verfügbar sein. Die im MWST-Register eingetragenen Personen, welche sich nicht bereits schon bei der «ESTV Suisse- Tax»-Plattform registriert haben, werden automatisch einen Login Code für die «MWST Abrechnung easy»-Plattform erhalten. Das Abrechnen der MWST mittels Papierformular wird künftig nur noch auf Antrag möglich sein.

Ergänzungsleistungsgesetz

Per 1. Januar 2021 trat das neue Ergänzungsleistungsgesetz in Kraft. Es gibt einige Neuerungen wie beispielsweise die Rückerstattungspflicht von zu Recht bezogenen Ergänzungsleistungen, wenn beim Tode ein Vermögen von mehr als CHF 40 000 vorhanden ist und noch mehr. Da dieses Thema weniger KMU Unternehmen und deren Eigner betrifft, gehen wir hier nicht vertieft darauf ein. Sollten Sie oder Ihr Umfeld detailliertere Informationen wünschen, stehen Ihnen unsere Experten gerne zur Verfügung.

Wir verfolgen die für Sie relevanten Neuerungen und informieren Sie gerne in unserer nächsten Ausgabe.

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