KMU

Wichtigste Neuerungen und Praxistipps

KMUinfo

        

Erfahren Sie in dieser KMUinfo, wieso das angepasste DSG Chefsache ist, Sie allenfalls Ihre Statuten überarbeiten sollten und was bei der Anschaffung von Elektrofahrzeugen zu beachten ist. Wir zeigen Ihnen, wie die Umsetzung der Gesetzesbestimmungen für einen besseren Schutz von Mensch und Umwelt erfolgt und was Sie betreffend Änderung der Berufskostenverordnung zu beachten haben. Zudem informieren wir über den aktuellen Stand zur Reform «Ehe- und  Familienbesteuerung». Die wichtigsten Informationen klar und verständlich zusammengefasst. Themenspezifisch stehen Ihnen auf unserer Homepage detaillierte Berichte zur Verfügung. Haben Sie weitere Fragen? Kontaktieren Sie uns.

veröffentlicht: Januar 2022

Ihre Ansprechpersonen:

Jeannette Ming-De Pretto
MAS FH in Treuhand und
Unternehmensberatung
dipl. Treuhandexpertin

Thomas Muri
MLaw, Rechtsanwalt

Wichtigste Neuerungen

Änderung der Berufskostenverordnung per 1. Januar 2022

Per 1. Januar 2022 ist die neue Berufskostenverordnung in Kraft. Gemäss dieser werden neu auch die Fahrkosten zwischen dem Wohn- und Arbeitsort mittels der Pauschale für die private Nutzung eines Geschäftsfahrzeuges besteuert. Dies geschieht durch Erhöhung der Pauschale von monatlich bisher 0.8 Prozent auf neu 0.9 Prozent des Fahrzeugkaufpreises (Nettobarkaufpreis, d.h. exkl. MWST). Demgegenüber entfällt der Fahrkostenabzug beim Arbeitnehmer in dessen Steuererklärung. Dies führt bei diesem – je nach Situation – zu einem etwas veränderten steuerbaren Einkommen gegenüber der bisherigen FABI-Regelung (Arbeitsweg = steuerbares Einkommen). Für die Arbeitgeber führt die Neuerung einerseits durch den Wegfall der Deklaration «Aussendienstanteil» ab Lohnausweis 2022 zu einer Reduktion des administrativen Aufwandes, aber auch zu höheren Sozialabgaben, einer moderaten Erhöhung des steuerbaren Gewinns sowie einer höheren Mehrwertsteuerbelastung.

IV-Revision 2022

Per 1. Januar 2022 tritt die 7. IVGRevision hinsichtlich «Weiterentwicklung der IV» in Kraft. Damit soll die Eingliederung verstärkt und der Eintritt einer Invalidität verhindert  werden. Es ist anzumerken, dass sich der Invaliditätsgrad an der Einkommenseinbusse – Verhältnis Einkommen vor vs. nach Schadenfall – bemisst. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde folgendes bestimmt:
• Engere Begleitung von Kindern mit Geburtsgebrechen;
• Bessere Unterstützung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beim Start ins Berufsleben;
• Ausbau der Beratung und Betreuung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen;
• Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Arbeitgebenden und der IV;
• Einführung eines «stufenlosen» Rentensystems;
• Einheitliche Regelung betreffend Abklärungen und medizinischen Gutachten für alle Sozialversicherungen im ATSG.

Zudem soll die Revision, indem sich die Mehrkosten und die Einsparungen in etwa ausgleichen, kostenneutral umgesetzt werden. Wie sich diese Umsetzung, insbesondere die  Verbesserung der Zusammenarbeit gestalten wird, ist aktuell noch nicht bekannt.

Aus der Praxis

Elektro-Geschäftsfahrzeuge – was ist zu beachten

Der Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Elektrofahrzeuge lässt unter anderem auch in Punkto steuerlicher Handhabung und Sozialversicherungspflicht Fragen aufkommen. Sei dies als Geschäftsfahrzeug (Privatanteil Ladestation, Stromladung zu Hause usw.) oder aber die Nutzung des privaten Elektroautos für geschäftliche Zwecke (Kilometerentschädigung
inkl. Stromkostenzuschlag?). Die einzelnen Kantone haben bis dato keine spezifischen Richtlinien veröffentlicht. Wir haben für Sie die interne Praxis der Kantone abgeklärt und  können diese wie folgt beschreiben:

Für die geschäftliche Nutzung privater Elektroautos gilt schweizweit weiterhin, dass 0.70 Rp/km abgerechnet werden können. Darin seien auch allfällige Stromkosten für die Ladung abgedeckt. Im Gegenzug entfallen die Benzin-/ Dieselkosten.

Bei Elektro-Geschäftsfahrzeugen mit privater Nutzung stellt sich die Frage, wie die im privaten Umfeld generierten Stromkosten (Ladung über Nacht) für das Geschäftsfahrzeug seitens Unternehmung an den Mitarbeitenden rückvergütet werden.

Die meisten Kantone erlauben die Abrechnung zum effektiven Ansatz. Dies kann beispielsweise über einen installierten Stromzähler erreicht werden. Denkbar wäre auch ein
praktischer Ansatz (Anzahl Strom x gefahrene Kilometer). Kantone wie Zürich nennen mit CHF 60.00 pro Monat oder Zug mit CHF 70.00 bis CHF 80.00 pro Monat bereits Pauschalansätze. Im Kanton Nidwalden hingegen werden zurzeit keine Spesenreglemente im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen genehmigt.

Wie ist die Handhabung betreffend Installation Wallbox beim Mitarbeitenden für das eGeschäftsauto? In manchen Kantonen wie beispielsweise Luzern wird für das Eruieren des Privatanteils die Wallbox zum Fahrzeugkaufpreis dazugerechnet (Nettobarkaufpreis Fahrzeug zzgl. Wallbox à 0.9% je Monat). Entsprechend ist bei Beendigung des  Arbeitsverhältnisses wiederum Vorsicht geboten. Je nach Konstellation muss sodann der Arbeitnehmer den Restwert der Wallbox dem Arbeitgeber zurückvergüten. Wir raten Ihnen auf jeden Fall, vor der Umstellung auf geschäftliche Elektrofahrzeuge die Details zu klären und sodann auch die bestehenden (Fahrzeug-) Reglemente zu überarbeiten.

Revision des Aktienrechts – Handlungsbedarf

Der Gesetzgeber hat die Revision des Aktienrechts im Juni 2020 verabschiedet. Bereits in Kraft sind die Verlängerung der Gesamtdauer der provisorischen Nachlassstundung (neu 8 Monate), strengere Transparenzregeln für Rohstoffunternehmen und die Einführung von Geschlechterquoten bei börsenkotierten Gesellschaften (mit Übergangsfrist). Die übrigen Bestimmungen werden wohl nicht vor Ende 2022 in Kraft treten.

Die Aktienrechtsrevision umfasst eine Vielzahl von Erleichterungen und Flexibilisierungen wie zum Beispiel die Möglichkeit der virtuellen Durchführung von Generalversammlungen,
Verwaltungsratsbeschlüsse via EMail als Zirkularbeschluss, Festlegung des Aktienkapitals in der funktionalen Fremdwährung, Zulässigkeit der Ausrichtung von Zwischendividenden oder die Einführung eines Kapitalbands zur Kapitalveränderung. Sodann stärkt die Reform die Aktionärsrechte, sowohl in Publikums- als auch in privaten Gesellschaften.

Alsdann ergeben sich Änderungen im Sanierungsrecht, wo inskünftig die Liquidität im Zentrum steht. Der Verwaltungsrat hat die Liquidität zu überwachen und bei drohender Zahlungsunfähigkeit Massnahmen zu deren Sicherstellung zu treffen. Bei einer Überschuldung ist die Bilanz nicht mehr umgehend zu deponieren, sofern begründete Aussicht besteht, dass die Überschuldung innert spätestens 90 Tagen nach Vorliegen einer geprüften Zwischenbilanz behoben werden kann.

Gewisse Flexibilisierungsmöglichkeiten bedürfen einer statutarischen Grundlage, weshalb es sich empfiehlt, die Statuten frühzeitig zu überprüfen und gegebenenfalls auf das Inkrafttreten der Revision hin anzupassen. So kann auch sichergestellt werden, dass die neuen Bestimmungen eingehalten werden.

«Datenschutz-Update»
Jetzt ist die Zeit zum Handeln!

Voraussichtlich Anfang 2023, allenfalls auch erst Mitte 2023 tritt das neue Datenschutzgesetz der Schweiz ohne Übergangsfrist in Kraft. Die Einhaltung des Datenschutzes wird aufwändiger, ist dynamisch und risikobasiert.

Die Erweiterung der persönlichen Bussen bis CHF 250 000 bei vorsätzlicher Begehung von Verletzung der Informationspflichten, der Datensicherheit, der Auskunftserteilung sowie beim Outsourcing aber auch beim Datentransfer ins Ausland rufen nach klaren Strukturen, dokumentierten Prozessen sowie Richtlinien und Weisungen.

«Datenschutz ist Chefsache!»

Jedes KMU tut gut daran, Ihren Handlungsbedarf jetzt zu analysieren und prioritäre Massnahmen risikobasiert einzuleiten und umzusetzen. Eine Umsetzungshilfe in Form eines Massnahmenkatalogs finden Sie auf unserer Website unter:

Aktuelles aus Bundesbern

Besserer Schutz von Mensch und Umwelt – Umsetzung der Gesetzesbestimmungen

Mit dem Gegenvorschlag zur abgelehnten Konzernverantwortungsinitiative haben sich das Schweizer Parlament und der Bundesrat klar für eine international abgestimmte Regulierung positioniert. Das neue Gesetz sieht weitreichende Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten für Konzerne vor und orientiert sich dabei an bereits geltenden EUVorgaben.
Für Schweizer Unternehmen bedeutsam sind zwei Neuerungen im Obligationenrecht (OR):
• Grosse Schweizer Unternehmen werden verpflichtet, mittels Bericht Transparenz über Risiken ihrer Geschäftstätigkeiten in den Bereichen Umwelt, Sozial- und  Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte und Bekämpfung der Korruption sowie über dagegen ergriffene Massnahmen zu schaffen (nichtfinanzielle Berichterstattung);
• Es gelten besondere Sorgfaltspflichten in den sensiblen Bereichen Kinderarbeit und Konfliktmineralien (Zinn, Tantal, Wolfram sowie Güter aus Hochrisikogebieten), beispielsweise mittels Einfuhrbeschränkungen.

Für die Umsetzung der neuen Vorgaben gilt eine Übergangsfrist von einem Jahr. Sodann werden die neuen Pflichten wohl erstmals für das Geschäftsjahr 2023 umzusetzen sein. Wir empfehlen eine frühzeitige Analyse, ob die neuen Regelungen für Sie gelten.

Heiratsstrafe – Reform der Ehe- und Familienbesteuerung

Die Reform der Ehe- und Familienbesteuerung hat mit der Diskussion um die sogenannte Heiratsstrafe eine lange politische Vergangenheit. Der Bundesrat wurde in der Herbstsession 2020 vom Parlament beauftragt, die Einführung der «zivilstandsneutralen» Individualbesteuerung zu prüfen. Die Individualbesteuerung ist eine  Besteuerungsmethode, bei der das Einkommen (bzw. Vermögen) jeder erwachsenen Person einzeln besteuert wird. Die Höhe der Steuer bestimmt sich nach dem Einkommen des Individuums und nicht nach dem zusammengerechneten Einkommen einer Gemeinschaft wie z.B. eines Ehepaares. Allerdings würde eine Einführung der Individualbesteuerung
im Widerspruch zu den Sozialversicherungen stehen, die teilweise noch auf den Zivilstand abstellen. Der Bundesrat erarbeitet bis im Herbst 2022 eine Vernehmlassungsvorlage
aus, über die dann das Parlament zu befinden hat. Mit einer Umsetzung ist nicht vor 2023 zu rechnen.

Wir verfolgen das Ganze und informieren Sie gerne in unserer nächsten Ausgabe über neue Erkenntnisse; generell und aus Bundesbern; «kurz & knackig» zusammengefasst.

TREUHAND · PRÜFUNG · BERATUNG