KMU

Die Kundeninformation von Balmer-Etienne zu aktuellen KMU-Themen

Wichtigste Neuerungen und Praxistipps

        

Erfahren Sie in diesem KMUinfo, was die neue Lohngleichheitsanalyse für Auswirkungen hat, wieso allfällige Unterlagen zu F&E zu dokumentieren sind und was Sie bei der Einreichung der MWST Abrechnung zu berücksichtigen haben. Wir zeigen Ihnen, welche Vorteile ein Personalreglement hat und weshalb das Abspeichern eines PDF Dokumentes nichts mit Digitalisierung zu tun hat. Zudem beleuchten wir die Auswirkungen der Gesetzesänderung von der Kinder zur Angehörigenbetreuung und orientieren über aktuelles aus Bundesbern. Die wichtigsten Informationen klar und verständlich zusammengefasst. Themenspezifisch stehen Ihnen auf unserer Homepage detaillierte Berichte zur Verfügung. Haben Sie weitere Fragen? Kontaktieren Sie uns.

veröffentlicht: August 2020

Ihre Ansprechpersonen:

Jeannette Ming-De Pretto
MAS FH in Treuhand und
Unternehmensberatung
dipl. Treuhandexpertin

Nicolas Wyrsch
BSc HSLU in Betriebsökonomie
dipl. Wirtschaftsprüfer

Wichtigste Neuerungen

Zwingende Lohngleichheitsanalyse ab 100 Mitarbeitenden

Seit dem 1. Juli 2020 sind die Änderungen des Gleichstellungsgesetzes (GlG) in Kraft. Durch die Anpassung sind Unternehmen ab 100 Angestellten dazu verpflichtet, eine betriebsinterne Lohngleichheitsanalyse durchzuführen und diese durch eine unabhängige Stelle prüfen zu lassen. Damit soll dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der geschlechterunabhängigen Lohngleichheit in einem Unternehmen, für gleiche und gleichwertige Arbeit denselben Lohn, sichergestellt werden. Der Analysepflicht unterstehen alle Betriebe mit 100 oder mehr Mitarbeitenden (Kopf- und nicht Stellenprozent, Lernende ausgenommen). Stichtag für die Bemessung ist jeweils der 1. Januar jedes Jahres. Grundsätzlich gilt die Pflicht für alle privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Schweiz. Die Analyse in Bezug auf das Geschlecht muss nach einer wissenschaftlich und rechtskonformen Methode durchgeführt werden. Der Bund stellt für diese Analyse ein Standard-Analyse-Tool (Logib) kostenlos zur Verfügung. Anhand vergleichbarer Kriterien, unabhängig unterschiedlicher Berufe (bspw. Administration vs. Metallschlosser), vergleicht das Tool Daten von Männern und Frauen in einem Unternehmen und liefert eine entsprechende Analyse über die aktuelle Situation.

Die Durchführung der betriebsinternen Lohngleichheitsanalyse hat auf Basis eines frei wählbaren Referenzmonats bis Mitte 2021 zu erfolgen. Ausserdem ist sie durch eine unabhängige Prüfstelle oder eine Frauen- oder Männerorganisation, die nach ihren Statuten die Gleichstellung von Frau und Mann fördert, zu bestätigen.

Der Arbeitgeber muss die Arbeitnehmenden spätestens ein Jahr nach Abschluss der Überprüfung schriftlich über das Analyseergebnis informieren. Wird die Lohngleichheit eingehalten, entfällt die Pflicht der Überprüfungen; andernfalls muss die Lohngleichheit nach vier Jahren erneut erstellt und überprüft werden. Sanktionen oder Bussen sind für Fälle, wo keine Lohngleichheitsanalyse durchgeführt wird oder aufgrund der Analyse eine kalkulierte Ungleichheit besteht, keine vorgesehen. Allerdings sollte das Risiko eines Reputationsschadens nicht unterschätzt werden.

MWST Abrechnungseinreichung – nur noch online

Per 1. Januar 2021 wird die online MWST-Abrechnung zum Standard. Die im MWST-Register eingetragenen Personen, welche sich nicht bereits schon bei der «ESTV Suisse-Tax»-Plattform registriert haben, werden automatisch einen Login-Code für die neu etablierte «MWST Abrechnung easy»-Plattform erhalten.

Das Abrechnen der MWST mittels Papierformular wird nur noch auf Antrag möglich sein.

QR-Rechnung erfolgreich eingeführt

Seit dem 1. Juli sind Zahlungen mittels QR-Code-Erkennung nach ISO 20022 möglich. Die Übergangsfrist bis zur endgültigen Ablösung der bisher gewohnten Einzahlungsscheine ist nach aktuellem Stand auf Ende 2022 festgelegt. Mögliche Umsetzungslösungen können Sie unserer diesbezüglichen Kundeninformation entnehmen: https://balmer-etienne.ch/qr-rechnung-2/.

Dokumentationspflichten bei der Patentbox und dem F&E Abzug

Mit der am 1. Januar 2020 in Kraft getretenen Steuerreform STAF will die Schweiz den hiesigen Innovationsstandort mit der Patentbox und einem zusätzlichen Abzug für Forschung & Entwicklung (F&E) fördern. Nach der Einführung stellen sich nun Umsetzungsfragen. Konkret geht es hierbei auch um die Frage, welche Dokumentationen und Belege vorhanden sein müssen, damit von diesen neuen Steuerinstrumenten Gebrauch gemacht werden kann.

Damit die Steuerbehörden die Voraussetzungen für die Geltendmachung der Patentbox sowie der F&E Aufwendunge überprüfen können, muss das antragsstellende Unternehmen Aufzeichnungen, Forschungs- und Entwicklungskonzepte und Belege aufbewahren und vorlegen können (sog. Tracking and Tracing). Zudem kann es Sinn machen, gewisse Aufwendungen buchhalterisch auf separaten Konti zu erfassen. Daneben sind auch die entsprechenden technischen und dokumentarischen Nachweise zur Geltendmachung zu führen. Dazu sind nach Grösse und Bedeutung der Unternehmung und des Forschungsoder Innovationsprojektes systematische Aufzeichnungen zu führen, welche den Grundsätzen der Forschungspraxis entsprechen müssen.

Gegenwärtig sind zu diesem Thema noch kaum Praxishinweise publiziert. Es wird sich deshalb zeigen müssen, ob die Steuerbehörden Hand für pragmatische Lösungen bieten. Wichtig ist, dass die Prozesse (etwa Buchhaltung) rechtzeitig so ausgestaltet werden, dass die von den Steuerbehörden geforderten Dokumentationen und Belege möglichst einfach beschafft werden können.

Aus der Praxis

Ist die Kurzarbeitsentschädigung in der MWST Abrechnung zu berücksichtigen?

Ja; Die erhaltene Kurzarbeitsentschädigung muss auf dem MWST Abrechnungsformular als Schadenersatz in der Ziffer 910 deklariert werden.

Personalreglement – kurz und knackig

Arbeitsvertragliche und weisungsrechtliche Bestimmungen können einheitlich in einem Personalreglement (auch Anstellungsreglement oder allgemeine Anstellungsbedingungen usw. genannt) festgehalten werden. Was kann darin geregelt werden und was gilt es im Speziellen zu beachten?

Mit der Einführung eines Personalreglements sind für alle Mitarbeitende geltende Regelungen einheitlich geregelt, so dass der Arbeitsvertrag kurz und knackig gehalten werden kann. Finanzielle Risiken sowie administrative Aufwendungen für den Arbeitgeber werden damit ebenfalls minimiert.

Wichtig ist, dabei zwischen arbeitsvertraglichen und weisungsrechtlichen Bestimmungen zu unterscheiden, da Zweiteres jederzeit einseitig durch den Arbeitgeber abänderbar bleiben soll. Inhaltlich kann sich der Arbeitgeber insbesondere die Anordnung von zumutbarer Arbeit sowie auch den Einsatz an anderen Arbeitsorten vorbehalten; Kündigungsfristen und Probezeit sind einheitlich zu regeln; Arbeitszeitmodelle sind festzuhalten inkl. der Abgeltung sowie die einseitige Kompensationsanordnung von Überstunden und Überzeit; Regelung von Ferien und bezahlten und unbezahlten Feiertagen / Absenzen wie auch Meldepflichten, Beibringen eines Arztzeugnisses und Lohnfortzahlungspflichten bei unverschuldeter Arbeitsverhinderung wie Krankheit, Unfall etc. in Abweichung des Gesetzes, z.B. bei Vorhandensein einer Krankentaggeldversicherung.

Sie geben dem Arbeitgeber für die Zukunft mehr Flexibilität, verringert den administrativen Aufwand sowie schafft Sicherheit sowohl bei den Mitarbeitenden wie auch beim Arbeitgeber.

«Die Zeit ist günstig, einheitliche Arbeitsbestimmungen einzuführen.»

Von Bundesordner zum digitalen Archiv

Digitalisierung in der Buchhaltung heisst nicht einfach nur physische Belege einscannen und diese in einer Explorerstruktur nach Jahr, Monat, Kunde, Lieferant oder sonstigen Kriterien als PDF Datei abzuspeichern. Für eine effiziente und nachhaltige Digitalisierung soll zwingend der gesamte Arbeitsprozess inklusive vor- und nachgelagerten Tätigkeiten analysiert werden.

Konkret heisst das bei dem Beispiel von Buchhaltungsbelegen, dass diese mit einer Texterkennung in ein so genannten DMS (Dokumentenmanagement System) einzulesen und entsprechend zu kategorisieren sind. Dadurch werden digitale Visumsprozesse, revisionstaugliche digitale Belegaufbewahrung und Automatisierungen im Buchhaltungsprozess erst möglich. Dank der dynamischen Textsuche entfällt Speicherort und aktuelle Version. Die dynamische Textsuche ermöglicht das Finden nach Inhalt der Dokumente. Nebenbei regelt ein Benutzer- und Rollenkonzept den Zugriff auf die verschiedenen Dokumente.

Aktuelles aus Bundesbern

Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung – was bedeutet dies für den Arbeitgeber? Das Parlament hat Gesetzesänderungen beschlossen, welche die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung verbessern sollen. Geplant ist das Inkrafttreten auf den 1. Januar 2021.

Demgemäss werden erwerbstätige Eltern von schwer kranken oder nach einem Unfall schwer beeinträchtigten Kindern Anspruch auf höchstens 14 Wochen Betreuungsurlaub erhalten, welche sie frei unter sich aufteilen können. Der Urlaub kann innerhalb von 18 Monaten bezogen werden. Während der ersten sechs dieser 18 Monate darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden nicht kündigen, sofern die Probezeit abgelaufen ist. Zudem dürfen die Ferien wegen des Bezugs eines Betreuungsurlaubs nicht gekürzt werden. Finanziert wird dieser Urlaub aus der Erwerbsersatzordnung (EO).

Ferner erhalten Arbeitnehmende neu Anspruch auf bezahlten Urlaub für die Betreuung eines Familienmitglieds, der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners mit gesundheitlicher Beeinträchtigung. Der Anspruch ist begrenzt auf höchstens drei Tage pro Ereignis und maximal zehn Tage pro Jahr, ausser bei Kindern, bei welchen es keine Höchstbegrenzung pro Jahr gibt.

Neu werden sodann die AHV-Betreuungsgutschriften für betreuende Angehörige ausgeweitet, sodass dafür neu auch eine leichte Hilflosigkeit der betreuten Person genügt. Ferner wird die Hilflosenentschädigung und der Intensivpflegezuschlag der IV für Kinder künftig bei einem Spitalaufenthalt des Kindes nicht mehr sistiert. Schliesslich wird auch bei den Ergänzungsleistungen eine Anpassung vorgenommen und ein garantierter Mietzinsbetrag für Bezügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen, welche in einer Wohngemeinschaft leben, festgelegt.

BVG

Die Reform der 2. Säule läuft in Bern unter dem Arbeitstitel «BVG-Reform 2022». Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 13. Dezember 2019 den Vorschlag in die Vernehmlassung gegeben, welcher von den Verbänden der Sozialpartner ausgearbeitet wurde. Die Eingabefrist ist am 29. Mai 2020 abgelaufen. Eckwerte der Vernehmlassungsvorlage sind:

• Senkung des Mindest-Umwandlungssatzes
• Rentenzuschläge für künftige Neurentner
• Anpassung der Altersgutschriften
• Senkung des Koordinationsabzugs

Sanierung der AHV – Pensionsalter und Renten

Aktuell soll der Altersrücktritt neu flexibel zwischen 62 und 70 Jahren sein; dabei soll auch die teilweise Pensionierung, d.h. der Rentenbezug in % eines Teils möglich werden. Der Zuschlag für aufgeschobene Renten würde jedoch auf max. 25,7 % (bisher max. 31,5 %) reduziert.

Erwerbstätige im Rentenalter hätten weiterhin den monatlichen AHV-Freibetrag von CHF 1 400. Darüber hinaus gehende Beiträge würden neu rentenbildend, d.h. Lückenschliessung von Beitragsjahren aber auch künftig höhere Rentenansprüche. Zur Finanzierung soll unter anderem der MWST Satz um 0,7 Prozentpunkte (z.B. Normalsatz von 7,7 % auf 8,4 %) erhöht werden.

Wir verfolgen das Ganze und informieren Sie gerne in unserer nächsten Ausgabe über neue Erkenntnisse; generell und aus Bundesbern, zusammengefasst.

DANKE